Verschiedene Faktoren können das Risiko für eine Nykturie erhöhen. Dazu zählen Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, zum Beispiel Asthma, Arthritis, Depressionen, Übergewicht und Adipositas (aufgrund des höheren intraabdominalen Drucks) sowie Enuresis in der Kindheit. Bei Männern hängen vor allem eine Prostatitis oder ein Prostatakarzinom mit einer Nykturie zusammen, während bei Frauen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die chirurgische Entfernung der Gebärmutter oder hormonelle Veränderungen in der Postmenopause eine Rolle spielen können.
Das höhere Lebensalter stellt einen weiteren Risikofaktor dar, da funktionelle Veränderungen wie ein erhöhtes Restharnvolumen, Schwäche des Detrusormuskels und eine verminderte ADH-Sekretion die Blasenfunktion zusätzlich beeinträchtigen. Auch Lebensstilfaktoren wie späte Mahlzeiten, eine hohe Zufuhr von Flüssigkeit, Salz oder Proteinen sowie häufige Nickerchen am Tag sind mit Nykturie assoziiert (10, 29, 38).

© Adobe Stock/dikushin
Rund jedes zehnte Kind im Alter von sieben Jahren und bis zu 1,7 Prozent der Jugendlichen leiden unter nächtlichem Harnverlust. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Zu den möglichen Ursachen zählen funktionelle Blasenstörungen und genetisch bedingte Reifungsverzögerungen des zentralen Nervensystems, die mit Polyurie, geringerer Erweckbarkeit und einer unzureichenden Hemmung des Miktionsreflexes im Schlaf einhergehen können. Auch psychosoziale Belastungen wie Trennung der Eltern, die Geburt eines Geschwisterkindes oder ein Umzug können nächtliches Einnässen zur Folge haben.
Häufige Begleiterkrankungen sind Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrum-Störungen, Intelligenzminderung, Störungen der Blasen- und Darmentleerung sowie oppositionelle Verhaltensauffälligkeiten, die sich durch Ungehorsam, Feindseligkeit und Trotz gegenüber Eltern und Autoritätspersonen äußern.
Die Diagnose Enuresis nocturna erfolgt laut S2k-Leitlinie »Enuresis« (Stand Mai 2021, AWMF-Reg.Nr. 028 – 026) erst nach Ausschluss organischer Ursachen und frühestens ab dem fünften Lebensjahr. Zentraler Bestandteil der Behandlung ist die Standard-Urotherapie, unter anderem mit Aufklärung, Beratung zu Blasen-, Trink- und Ernährungsverhalten sowie Dokumentation trockener und nasser Nächte mithilfe eines »Sonnenkalenders«. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder führt dies innerhalb von vier Wochen zum Erfolg.
Bleibt dieser aus, folgt eine apparative Verhaltenstherapie. Dabei kommen Klingelgeräte, zum Beispiel Matten- oder Hosenalarme, zum Einsatz, die bei Feuchtigkeit einen Ton auslösen. Nach acht bis zehn Wochen sprechen rund 50 bis 80 Prozent der Kinder auf diese Therapie an. Alternativ kann Desmopressin, ein selektiver Agonist an Vasopressin-Rezeptoren, versucht werden. Das synthetische Analogon des antidiuretischen Hormons (ADH) verringert die nächtliche Urinproduktion und zeigt bei etwa 70 Prozent der Kinder eine Wirkung, allerdings meist nur während der Einnahme.
Leidet das Kind auch tagsüber unter Symptomen (nicht-monosymptomatische Enuresis), sollte die zugrunde liegende Blasenfunktionsstörung vorrangig behandelt werden. Je nach Art der Blasenprobleme oder der Inkontinenz können auch Beckenbodentraining, physiotherapeutische Maßnahmen oder Biofeedback helfen (4, 12).