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BAV-Mitgliederversammlung
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Auf gutem Weg, aber nicht einschüchtern lassen

»Wir sind auf einem guten Weg in die Zukunft.« Hans-Peter Hubmann, 1. Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV), blickt angesichts der Apothekenreform und vor allem der Fixumserhöhung für rezeptpflichtige Arzneimittel positiv nach vorn.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 09.07.2026  14:00 Uhr

Im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) und den zugehörigen Verordnungen gebe es »viele positive Effekte« für den Berufsstand, sagte Hubmann gestern bei der Mitgliederversammlung des BAV in München. Beispielhaft nannte er bessere Auswahlregeln und weitere Retaxausschlüsse – »die Gefahr von Nullretaxen wurde weiter verringert« –, erweiterte Impf- und Testmöglichkeiten, Prävention, neue Dienstleistungen (pDL) und die begrenzte Abgabe von Rx-Arzneimitteln ohne Rezept.

Da Apotheker künftig außer Lebendimpfstoffen alle Vakzinen an Erwachsene verabreichen dürfen, werde Impfen vom Saison- zum Alljahresgeschäft. Diese Leistung könne auch an geschultes pharmazeutisches Personal delegiert werden. Die Vergütungsverhandlungen seien am Laufen.

Die venöse Blutabnahme werde ausschließlich zu diagnostischen Zwecken und nur bei Erwachsenen erlaubt. So könnten mehr Laborwerte erhoben werden, die auch dem Arzt Sicherheit gäben.

Die Ärzteproteste zu den erweiterten apothekerlichen Aufgaben verglich Hubmann mit »Theaterdonner« und ermunterte die Kollegen. »Lassen Sie sich von niemandem einschüchtern. Machen Sie weiter so, dann ist mir nicht bange um unseren freiberuflichen Heilberuf.«

Fixumserhöhung nicht schmälern

Sehr positiv bewertete der BAV-Chef natürlich die Anpassung des Fixums für Rx-Arzneimittel. Seit dem 1. Juli gelten 9 Euro und ab 1. Januar 2027 dann 9,50 Euro. »Es war ein Kraftakt, dies rechtzeitig für den Apothekenbetrieb umzusetzen.« Für Rezepturarzneimittel bleibe das Fixum bei 8,35 Euro, ergänzte er in der Diskussion.

So erfreulich die Honorarerhöhung auch ist: Dieser stünden erhebliche Kostensteigerungen, zum Beispiel für Gehälter und Sachkosten, gegenüber. Zudem dürfe sie nicht durch einen unbefristet erhöhten Kassenabschlag geschmälert werden. Denn ab 1. Januar 2027 solle der Kassenrabatt, den Apotheken gesetzlichen Krankenkassen gewähren müssen, wenn sie Arzneimittel an deren Versicherte abgeben, laut GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz von 1,77 unbefristet auf 2,07 Euro steigen, monierte Hubmann. Dies dürfe in dieser Form nicht passieren.

Der Ausgleich für den Notdienst soll ab 1. Januar 2027 nahezu verdoppelt werden. Das dafür vorgesehene Volumen im »pDL-Topf« werde für etwa zwei Jahre reichen. Künftig sollen neben der Pauschale für Vollnotdienste auch Zuschüsse für Teilnotdienste, nämlich ein Fünftel des Betrags für den Vollnotdienst, gezahlt werden, informierte Hubmann.

Ein Wermutstropfen liege in der Apothekenstruktur. Dies betreffe die PTA-Vertretung in eng begrenzten Fällen als Erprobungsregelung und auf fünf Jahre begrenzt sowie die erleichterte Schaffung von Zweigapotheken mit sehr geringen Anforderungen.

Nach der Apothekenreform stünden kurzfristig weitere Aufgaben an, zum Beispiel das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, die Notfallreform, das Digitalgesetz und die Primärversorgung. »Wir machen mit vollem Herzen weiter«, versicherte der BAV-Vorsitzende.

Apothekenzahl sinkt weiter

Zu Beginn seines Berichts hatte der BAV-Chef die stetige Abnahme der Betriebsstätten in Deutschland beklagt. Ende 2025 gab es 16.601 Apotheken. Bundesweit sei dies die niedrigste Apothekenzahl seit 1977, sagte Hubmann. »Wir haben in Deutschland weniger als 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner und liegen damit im unteren Drittel der europäischen Staaten.« In Europa seien es durchschnittlich 31 Apotheken pro 100.000 Einwohner.

»Im ersten Quartal 2026 ging der Trend weiter, denn erneut haben 60 Apotheken geschlossen.« Kleiner Lichtblick: »Die Abnahme ist nicht mehr so rasant wie in den Vorjahren.«

Seit 2008 gebe es 5000 Apotheken weniger in Deutschland. »Das ist 5000-mal ein Verlust von wohnortnaher Versorgung und von wohnortnahen Arbeitsplätzen.«

BAV-Geschäftsführerin Alexandra Schmidt nannte die bayerischen Zahlen. Ende 2025 gab es in Bayern 2617 Apotheken – Ende 2016 waren es noch 3205. »Das ist der niedrigste Stand seit Ende der 1970er-Jahre«, bedauerte Schmidt. Nur wirtschaftlich starke Apotheken könnten in einer alternden Gesellschaft politisch gewünschte Zusatzleistungen wie Impfungen oder pharmazeutische Dienstleistungen erbringen.

Erfreulich für den BAV: Der Organisationsgrad ist 2025 weiter gestiegen auf 98,3 Prozent, wie Schmidt berichtete. »Nur 45 Apotheken in Bayern sind nicht Mitglieder im BAV.«

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