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Wahl des Antidepressivums
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Auf die Nebenwirkungen kommt es an

Bei der Wahl des richtigen Antidepressivums komme es vor allem darauf an, welches der Patient gut verträgt, verdeutlichte Professor Dr. Kristina Friedland von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beim Pharmacon in Meran. Denn: Die Wirkung der einzelnen Klassen ähnelt sich, aber Nebenwirkungsprofil und damit die Therapietreue unterscheiden sich deutlich.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 02.06.2025  11:00 Uhr

Nicht zu früh absetzen

»Ein Fall, der Ihnen sicherlich auch häufiger in der Apotheke begegnet, sind Patienten, die ein Antidepressivum schnell wieder absetzen wollen, sobald es ihnen besser geht«, sagte Friedland. Um Rückfälle zu verhindern, werde jedoch mindestens sechs bis zwölf Monate therapiert, da sich die veränderte neuronale Plastizität erst festigen müsse. Erst danach könne das Antidepressivum langsam und kontrolliert ausgeschlichen werden.

Beim Absetzen von Antidepressiva könne es zu Absetzphänomenen kommen. Diese könnten bereits nach drei bis fünf Halbwertszeiten des eingesetzten Wirkstoffs auftreten. »Das ist meist innerhalb einer Woche der Fall, mit einem Höhepunkt nach 36 bis 96 Stunden.« Die Absetzsymptome verschwänden in der Regel innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Als Eselsbrücke für die Symptome könne die englische Merkhilfe »FINISH« verwendet werden:

  • F – Flue-like symptoms: grippeähnliche Beschwerden
  • I – Insomnia: Schlaflosigkeit
  • N – Nausea: Übelkeit
  • I – Imbalance: Gleichgewichtsstörungen
  • S – Sensory disturbances: Empfindungsstörungen (etwa »elektrisierende« Missempfindungen)
  • H – Hyperarousal: Übererregbarkeit (innere Unruhe, Reizbarkeit).

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