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EU-Kommission

Astra-Zeneca-Impfstoff jetzt offiziell zugelassen

Das ging schnell: Nur wenige Stunden, nachdem die EMA ihr Votum abgegeben hat, hat die EU-Kommission Astra-Zeneca die bedingte Zulassung für den Covid-19-Impfstoff AZD1222 erteilt: ab 18 und ohne Altersgrenze nach oben. Die STIKO bleibt derweil bei ihrer Empfehlung, nur Personen bis 64 Jahre damit zu impfen.
Daniela Hüttemann
29.01.2021  20:56 Uhr

»Mit der Zulassung des Astra-Zeneca-Impfstoffs werden 400 Millionen zusätzliche Dosen in Europa verfügbar sein«, verkündete die Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen. »Ich erwarte, dass das Unternehmen diese Dosen wie vereinbart liefert, damit die Europäerinnen und Europäer so bald wie möglich geimpft werden können.«

Die bedingte Zulassung gilt für alle Personen ab einem Alter von 18 Jahren, obwohl für die Altersgruppe über 55 Jahren bislang noch keine ausreichenden Ergebnisse vorliegen, um konkret beziffern zu können, wie gut der Vektorimpfstoff diese Personen vor einer Covid-19-Erkrankung schützen wird. Allerdings liegen serologische Daten vor, nach denen auch Senioren eine Immunreaktion auf die Impfung zeigen. Hieraus und aus Erfahrungen mit anderen Impfstoffen postulierte die EMA eine vermutete Schutzwirkung auch für diese Altersgruppe. Astra-Zeneca soll so schnell wie möglich entsprechende Daten aus den laufenden Studien nachliefern. Dies kann geschehen, wenn dort mehr SARS-CoV-2-Infektionen aufgetreten sind und die Fälle in Placebo- und Verumgruppe verglichen werden. Zumindest die Sicherheitsdaten überzeugten die EMA, sodass sie insgesamt zu einer positiven Nutzen-Risiko-Bewertung kam, der sich die EU-Kommission nun anschloss. Im Schnitt lag die Schutzwirkung vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung bei 59,5 Prozent.

Skeptischer dagegen ist die Ständige Impfkommission (STIKO), die die Impfempfehlung für Deutschland herausgibt. Sie bleibt bei ihrer bereits gestern bekannt gewordenen Aktualisierung, den neuen Impfstoff nur an die 18- bis 64-Jährigen gemäß der bestehenden Priorisierung zu verimpfen, also zunächst wohl bevorzugt vor allem an Pflege- und Krankenhauspersonal. 

Der Astra-Zeneca-Impfstoff war der erste Impfstoff, zu dem die EMA ein Rolling-Review-Verfahren zur stetigen Begutachtung peu à peu eingereichter Datenpakete eröffnet hatte. Es hatte jedoch mehrere Verzögerungen bei den Zulassungsstudien gegeben, sodass die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna zuerst zugelassen werden konnten. Janssen (Johnson & Johnson) will im Februar die Zulassung für seinen Vektorimpfstoff beantragen, der dann folgen könnte. Außerdem hat Russland eine Zulassung seines Vektorimpfstoffs Sputnik V beantragt. Und auch Novavax hat heute positive Daten zu seinem proteinbasierten Kandidaten geliefert, auf die bald ein Zulassungsantrag folgen könnte. Ganz soweit ist Curevac mit seinem mRNA-Impfstoff noch nicht.

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