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Covid-19

Asthma wohl kein Risikofaktor für schwere Verläufe

SARS-CoV-2 greift die Lunge an, weshalb Vorerkrankungen an der Lunge bislang als Risikofaktor gelten. Für Asthma scheint dies nicht der Fall zu sein, wie neue Daten zeigen. Auch vor Cortison muss man sich nicht fürchten.
Christina Hohmann-Jeddi
21.04.2020  13:30 Uhr

Viele Asthmatiker sind wegen der SARS-CoV-2-bedingten Lungenkrankheit Covid-19 besorgt, da die Lunge ohnehin ihre Schwachstelle darstellt. Zudem wirkt die zur Asthmakontrolle häufig eingesetzte Cortisontherapie immunsupprimierend und könnte einen schweren Verlauf einer Infektion begünstigen. Aktuellen Daten aus New York zufolge sind diese Sorgen jedoch unbegründet.

Die Gesundheitsbehörde des US-Bundestaats New York, der zurzeit stark betroffen ist, veröffentlicht fortlaufend epidemiologische Daten der an Covid-19 Gestorbenen. Mittlerweile sind es fast 15.000 SARS-CoV-2 assoziierte Todesfälle. Von diesen hatten 89 Prozent mindestens eine Vorerkrankung. Asthma spielte mit 5 Prozent aber eine untergeordnete Rolle und war damit im Vergleich zur Häufigkeit der Erkrankung in der Bevölkerung sogar unterrepräsentiert.

Andere Komorbiditäten scheinen gefährlicher zu sein. So hatten bei den gestorbenen Covid-19-Patienten am häufigsten Bluthochdruck, Diabetes, Hyperlipidämie, koronare Herzkrankheit, Demenz, Nierenerkrankungen, Vorhofflimmern, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Krebserkrankungen oder ein Schlaganfall vorgelegen.

Auch in einer frühen Analyse von Patientencharakteristika aus China, die im Februar im »New England Journal of Medicine« erschien, war Asthma nicht als Risikofaktor für schwere Verläufe in Erscheinung getreten (DOI: 10.1056/NEJMoa2002032). Der Untersuchung von 1099 Covid-19-Patienten aus Wuhan zufolge waren die häufigsten Komorbiditäten der Patienten ebenfalls Bluthochdruck und Diabetes gefolgt von koronarerer Herzkrankheit. Asthma tauchte in der Liste gar nicht auf.

In einem aktuellen Editorial zu dieser Thematik im Fachjournal »The Lancet« bezeichnen die Autoren um Professor Dr. David Halpin von der Universität Exeter in Großbritannien es als »bemerkenswert«, dass Asthma und auch COPD bei Covid-19-Patienten im Vergleich zu ihrer Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung unterrepräsentiert sind (DOI: 10.1016/S2213-2600(20)30167-3). Das sei schon beim ersten SARS-CoV so gewesen. Die Gründe dafür seien aber noch unklar, schreiben die Autoren. Dass Asthma bei Covid-19-Patienten seltener diagnostiziert sei als andere Komorbiditäten, halten sie für unwahrscheinlich. Ein anderer Erklärungsansatz sei, dass eine chronische Lungenerkrankung durch eine veränderte Immunreaktion in dem Organ vor schweren Verläufen schützen könne. Für diese Hypothese gebe es aber bislang keine Belege.

Eine dritte Möglichkeit sei, dass Therapien gegen die chronischen Lungenerkrankungen einen protektiven Effekt haben könnten. Glucocorticoide könnten hier eine Rolle spielen, so die Autoren. In-vitro-Untersuchungen zufolge unterdrücken diese Arzneistoffe die Replikation von SARS-CoV-2. Bei SARS schienen sie einem Review aus dem Jahr 2006 zufolge nicht zur Behandlung von schweren Verläufen geeignet zu sein. Inwieweit Corticosteroide bei einer SARS-CoV-2-Infektion schaden oder nützen, sei noch offen. Daher sollten Patienten ihre bisherige Therapie nicht verändern.

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