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Datenanalyse aus China

Patienten-Charakteristika bei Covid-19

Im Durchschnitt sind Covid-19-Patienten 47 Jahre alt, ein Viertel von ihnen hat eine chronische Grunderkrankung. Das ergab die bisher größte Analyse von Patientendaten aus China.
Christina Hohmann-Jeddi
09.03.2020
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Ein Team um Wie-jie Guan und Professor Dr. Nanshang Zhong von der Guangzhou Medical University in China untersuchte die Daten von 1099 Patienten mit der durch SARS-CoV-2 verursachten Lungenerkrankung Covid-19, die durch eine Laboruntersuchung bestätigt war. Die Patienten waren bis zum 29. Januar in einem von 552 Krankenhäusern aufgenommen und behandelt worden. Der Analyse zufolge betrug die Inkubationszeit im Mittel vier Tage, berichtet das Team im »New England Journal of Medicine«. Die Patienten waren im Durchschnitt 47 Jahre alt. Die Mehrheit (84 Prozent) war zwischen 15 und 64 Jahre alt. 0,9 Prozent der Patienten war jünger als 15 Jahre und 15,1 Prozent 65 Jahre oder älter. Dass Kinder sich zwar infizieren, aber selten Symptome entwickeln, zeigt auch eine weitere Analyse. 41,9 Prozent waren Frauen. Bei 3,5 Prozent der Covid-19-Patienten handelte es sich um medizinisches Personal.

Etwa jeder vierte Patient (23,7 Prozent) wies eine chronische Grunderkrankung auf. Am häufigsten war dies eine Hypertonie gefolgt von Diabetes, koronarer Herzerkrankung und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sowie einer Hepatitis-B-Infektion und Krebs.

Auch die Symptome nahmen die Forscher unter die Lupe: Fieber war bei 43,8 Prozent der Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus vorhanden und entwickelte sich bei insgesamt 88,7 Prozent im Lauf des Aufenthalts. Dass Fieber im Vergleich zu SARS oder der Grippe erst verspätet auftritt, erschwere die Früherkennung, schreiben die Forscher. Am zweithäufigsten trat Husten auf (67,8 Prozent). Weniger häufig berichteten die Patienten über Fatigue, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen, Kurzatmigkeit und Sputumproduktion. Dagegen waren Übelkeit und Erbrechen (5 Prozent) sowie Diarrhö (3,8 Prozent) eher selten.

Die Erkrankung kann stark unterschiedliche Verläufe nehmen, von milden Erkältungssymptomen bis hin zu schweren Verläufen mit Lungenentzündung, Lungenversagen, Sepsis und Tod. Bei der Aufnahme in die Klinik wurden die Patienten nach Schwere der Erkrankung in eine Gruppe mit nicht schwerem Verlauf (926 Patienten) und eine Gruppe mit schwerem Verlauf (173 Patienten) aufgeteilt. Dabei waren die Personen mit nicht schwerem Verlauf im Durchschnitt sieben Jahre jünger als die schwer Erkrankten, nämlich 45 versus 52 Jahre. Die Gruppe der leicht Erkrankten wies auch weniger Begleiterkrankungen auf, die Rate lag bei 21 Prozent im Vergleich zu 38,7 Prozent in der Gruppe der schwer Erkrankten.

Die Forscher fragten auch die Therapie ab. Die Mehrheit der Patienten (58 Prozent) hatte intravenös Antibiotika erhalten, 35,8 Prozent Oseltamivir und 41,3 Prozent Sauerstoff. 6,1 Prozent mussten mechanisch beatmet werden. Fast jeder fünfte Patient hatte auch systemische Glucocorticoide erhalten, obwohl diese von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das Management von Covid-19-Patienten nicht routinemäßig empfohlen werden.

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