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Vericiguat

Arzneistoffkandidat wirksam bei chronischer Herzinsuffizienz

Vericiguat soll die Therapie von Patienten mit sich verschlechternder chronischer Herzinsuffizienz verbessern. In einer Phase-III-Studie konnte der Arzneistoffkandidat als Add-on zur Standardtherapie das Risiko für kardiovaskulären Tod und Krankenhauseinweisungen  verringern.
Daniela Hüttemann
19.11.2019
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Bereits seit Längerem arbeitet Bayer an der neuen Wirkstoffklasse der sGC-Stimulatoren, seit 2014 zusammen mit dem US-Unternehmen MSD. sGC steht dabei für lösliche (soluable) Guanylatcyclase. Es ist ein wichtiges Enzym für die Funktion des Herzens und der Blutgefäße. Wird es stimuliert, führt dies zu einer Gefäßerweiterung. Mit Riociguat (Adempas®) von Bayer kam 2014 ein erster Vertreter der sGC-Stimulatoren auf den Markt. Er ist für bestimmte Formen von Lungenhochdruck zugelassen.

Bayer hat noch zwei weitere sGC-Stimulatoren in der klinischen Pipeline: Runcaciguat wird derzeit in Phase I bei chronischen Nierenerkrankungen erprobt; Vericiguat, das gemeinsam mit MSD entwickelt wird, in Phase II bei diastolischer Herzinsuffizienz und Phase III bei systolischer Herzinsuffizienz. Am Montag gaben die Unternehmen bekannt, dass Vericiguat in der Phase-III-Studie VICTORIA den primären Endpunkt erreicht hat. VICTORIA steht für VerICiguaT glObal study in patients with heart failure with Reduced ejectIon frAction.

An der randomisierten, placebokontrollierten, multizentrischen, doppelblinden Studie nahmen 5.050 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und verminderter Auswurfleistung (Heart Failure with reduced Ejection Fraction, HFrEF) teil, bei denen sich die Erkrankung weiter verschlechterte. Die Probanden enthielten entweder die Standardtherapie mit den bislang verfügbaren Medikamenten plus einmal täglich 10 mg Vericiguat oral oder plus Placebo.

»VICTORIA ist die erste große aktuelle Studie, die speziell auf eine Patientengruppe mit fortschreitender Verschlechterung der chronischen Herzinsuffizienz ausgerichtet ist«, erläutert Dr. Roy Baynes, Senior Vice President und Leiter Global Clinical Development bei MSD in einer gemeinsamen Pressemitteilung. »Diese Patienten haben ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Sterblichkeit und für hohe Wiederaufnahmeraten in den Kliniken.« Dieses Risiko konnte unter Vericiguat gegenüber Placebo statistisch signifikant gesenkt werden. Die detaillierten Ergebnisse wollen die Unternehmen bald auf einem wissenschaftlichen Kongress vorstellen.

»Herzinsuffizienz betrifft weltweit mehr als 60 Millionen Patienten. Trotz der Fortschritte bei Therapien und Präventionsmaßnahmen sind die Raten kardiovaskulärer Ereignisse weiterhin hoch«, sagt Dr. Jörg Möller, Mitglied des Executive Committee der Division Pharmaceuticals der Bayer AG und Leiter Forschung und Entwicklung. Es bestehe ein großer ungedeckter Bedarf an neuen Therapieoptionen, um das Mortalitätsrisiko und das Risiko für Krankenhauseinweisungen zu senken.

Nach Angaben der Unternehmen lassen sich 50 bis 60 Prozent der stationär behandelten Herzinsuffizienz-Patienten  dem Typ HFrEF zuordnen. Bei vielen dieser Patienten verschlechtert sich die Symptomatik und sie müssen oft mehrfach ins Krankenhaus. Jeder fünfte Patient mit sich verschlechternder chronischer HFrEF versterbe innerhalb von zwei Jahren. Vericiguat soll die lösliche Guanylatcyclase stimulieren, was bei Patienten mit Herzinsuffizienz aufgrund der mangelnden Bioverfügbarkeit von Stickoxid nur unzureichend geschieht.

Auch andere Pharmaunternehmen arbeiten Wirtschaftsmagazinen zufolge an Medikamenten gegen Herzinsuffizienz, darunter Astra-Zeneca, Boehringer Ingelheim und Eli Lilly. Analysten räumen Bayer und MSD für Vericiguat gute Chancen auf dem Markt ein. Zuletzt hatte Novartis mit seinem Kombi Sacubitril/Valsartan (Entresto®), die Anfang 2016 auf den Markt kam, einen Blockbuster im Indikationsbereich Herzinsuffizienz gelandet.

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