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ARZNEISTOFFE

Naloxegol|Moventig®|60|2015

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STOFFGRUPPE
60 Magen-Darm-Mittel
WIRKSTOFF
Naloxegol
FERTIGARZNEIMITTEL
Moventig®
HERSTELLER

AstraZeneca GmbH

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2015
DARREICHUNGSFORM

12,5 mg Filmtabletten

25 mg Filmtabletten

Indikationen

Moventig ist zur Behandlung der opioidinduzierten Obstipation (OIC) zugelassen. Eingesetzt werden darf es bei Erwachsenen mit OIC, die unzureichend auf Laxanzien angesprochen haben. 

Wirkmechanismus

Naloxegol ist der erste oral verfügbare PAMORA zur Behandlung der opioidinduzierten Obstipation (OIC). PAMORA steht für peripher wirkende µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten. Sie blockieren selektiv die peripheren μ-Opioid-Rezeptoren im Gastrointestinaltrakt und wirken so einer Verstopfung entgegen. Mit Methylnaltrexon (Relistor®) wurde im Jahr 2008 bereits ein erster Vertreter dieser Gruppe in der Indikation OIC zugelassen. Er muss jedoch subkutan verabreicht werden.

 

Naloxegol ist ein pegyliertes Derivat des Opioid-Antagonisten Naloxon. Die Pegylierung bewirkt, dass der Arzneistoff die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann und somit nicht ins zentrale Nervensystem gelangt. Eine Opioid-vermittelte analgetische Wirkung wird demzufolge nicht beeinträchtigt.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis ist 25 mg Naloxegol einmal täglich. Mit Beginn der Therapie sollte eine bestehende Laxanzien-Einnahme unterbrochen werden. Wichtig für die Beratung: Die Filmtablette sollte am besten morgens auf nüchternen Magen mindestens 30 Minuten vor oder zwei Stunden nach der ersten Mahlzeit eingenommen werden.

 

Ist die Niere mittelschwer bis schwer beeinträchtigt, sollte mit einer Dosis von 12,5 mg begonnen werden. Verträgt der Patient diese, kann auf 25 mg erhöht werden. Auch bei gleichzeitiger Einnahme von moderaten CYP3A4-Inhibitoren wie Diltiazem und Verapamil sollte mit 12,5 mg gestartet werden. Keine Dosisanpassung ist bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung sowie mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung erforderlich. Eine Anwendung bei schwerer Störung der Leberfunktion wird nicht empfohlen.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A4-Inhibitoren kontraindiziert. Grapefruitsaft wurde als potenter CYP3A4-Inhibitor klassifiziert, wenn er in großen Mengen konsumiert wird. Während der Einnahme von Naloxegol sollte der gleichzeitige Verzehr von Grapefruitsaft grundsätzlich vermieden werden.

Nebenwirkungen

Die meisten Nebenwirkungen in Studien zu Naloxegol betrafen den Gastrointestinaltrakt. Sehr häufig (bei mindestens einem von zehn Behandelten) traten Diarrhö und Schmerzen in Abdomen auf, die im Vergleich zu Placebo auch zu höheren Abbruchraten führten (Diarrhö 3,1 versus 0,7 Prozent, abdominale Schmerzen 2,9 versus 0,2 Prozent). Hier kann eine Dosisreduktion auf 12,5 mg Naloxegol erwogen werden. Zu den häufigen (≥ 1/100 bis < 1/10) unerwünschten Wirkungen zählen Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Gelegentlich (≥ 1/1000 bis < 1/100) kann ein zentrales Opioid-Entzugssyndrom auftreten. Darunter versteht man das gleichzeitige Auftreten von drei oder mehreren Anzeichen wie dysphorische Stimmung, Übelkeit oder Erbrechen, Muskelschmerzen, vermehrten Tränenfluss oder Nasenlaufen, Schwitzen, Fieber, Diarrhö, Gähnen oder Schlaflosigkeit. Besteht der Verdacht auf ein solches Syndrom, sollte der Patient Naloxegol absetzen und einen Arzt aufsuchen.

 

Bei Patienten, die Methadon zur Schmerzbehandlung einnehmen, traten in klinischen Studien gehäuft gastro­intestinale Nebenwirkungen wie Diarrhö oder abdominale Schmerzen auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die gleichzeitige Anwendung von Naloxegol zusammen mit starken CYP3A4-Inhibitoren ist kontraindiziert. Auch Pa­tienten mit bekanntem oder vermutetem gastrointestinalen Verschluss oder Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen rezidivierenden Verschluss dürfen es nicht bekommen. Vor diesem Hintergrund ist Naloxegol ebenfalls kontra­indiziert für Krebspatienten, bei denen aufgrund ihrer Erkrankung ein erhöhtes Risiko für eine gastrointestinale Perforation besteht.

 

Vorsicht ist geboten bei Patienten, bei denen die Blut-Hirn-Schranke nicht unversehrt ist. Das kann der Fall sein bei malignen Hirntumoren, ZNS-Metastasen, aktiver Multipler Sklerose oder auch bei fortgeschrittener Alzheimerdemenz. Bei den Betroffenen besteht das Risiko, dass Naloxegol ins ZNS übertritt. Sie sollten daher auf mögliche ZNS-Effekte wie Opioid-Entzugssymptome oder eine abgeschwächte analgetische Wirkung beobachtet werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Moventig basiert auf dem KODIAC-Studienprogramm, das vier Phase-III-Studien mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmern umfasst. Wirksamkeit und Verträglichkeit von Naloxegol wurden in den zwei zwölfwöchigen, placebokontrollierten Doppelblind-Studien KODIAC-4 und -5 nachgewiesen. Die gepoolten Daten der beiden Untersuchungen zeigen, dass Naloxe­gol die Darmmotilität schnell und effektiv verbessert: Die untersuchten OIC-Patienten verzeichneten den ersten Stuhlgang im Durchschnitt bereits innerhalb des ersten Tages (7,6 Stunden) nach der ersten Einnahme von Naloxegol im Vergleich zu 41,1 Stunden unter Placebo.

Besonderheiten

Für die Lagerung von Moventiq sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Moventiq ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Naloxegol

Naloxegol

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Naloxegol.wrl

Weitere Hinweise

Es besteht theoretisch die Möglichkeit, durch die Anwendung eines Opioidrezeptor- Antagonisten bei der Mutter einen Opioid-Entzug beim Fetus auszulösen, wenn diese gleichzeitig mit einem Opioid behandelt wird. Naloxegol wird daher während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

 

Bei therapeutischen Dosen werden die meisten Opioide in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden. Es besteht theoretisch die Möglichkeit, dass durch Naloxegol beim gestillten Neugeborenen, dessen Mutter einen Opioidrezeptor-Agonisten einnimmt, ein Opioid-Entzug ausgelöst wird. Daher wird die Anwendung bei stillenden Müttern nicht empfohlen.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 29.04.2016