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ARZNEISTOFFE

Teduglutid|Revestive®|60|2014

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STOFFGRUPPE
60 Magen-Darm-Mittel
WIRKSTOFF
Teduglutid
FERTIGARZNEIMITTEL
Revestive®
HERSTELLER

NPS Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2014
DARREICHUNGSFORM

5 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Revestive ist zur Behandlung des Kurzdarmsyndroms bei Erwachsenen zugelassen.

Wirkmechanismus

Teduglutid ist ein GLP-2-Analogon und wirkt genauso wie die natürliche Substanz. Das natürliche Glucagon-like Peptid 2 (GLP-2) ist ein Peptid, das von den intestinalen L-Zellen sezerniert wird. Es vermittelt die Erhöhung des intestinalen und portalen Blutflusses, die Hemmung der Magensäure-Sekretion und die Senkung der Darmaktivität. Entscheidend für die Wirkung von Teduglutid ist offenbar ein Wachstumseffekt auf die Schleimhaut. Laut Fachinformation wird die Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeiten aus dem Darm verbessert, weil die Darmzottentiefe und die Kryptentiefe der Darmmukosa gesteigert werden.

 

Im Gegensatz zu GLP-2 wird Teduglutid nicht so schnell abgebaut, da an einer Stelle der Aminosäurekette Alanin durch Glycin ersetzt ist. Im Vergleich zu GLP-2 resultiert daraus eine In-vivo-Resistenz gegen den Abbau durch das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-IV (DPP-IV) und somit eine verlängerte Halbwertszeit. Diese liegt bei etwa zwei Stunden.

Anwendungsweise und -hinweise

Nach einem operativen Eingriff am Darm sollte zunächst eine Phase abgewartet werden, in der sich die Darmfunktion als Ausgleich für die verringerte Darmgröße verändert. Vor der Behandlung mit Teduglutid sollte ein Arzt mit Hilfe einer Koloskopie prüfen, ob sich Polypen im Dickdarm befinden, die vor der Behandlung zu entfernen sind. Auch während der Therapie mit Teduglutid sollte er dies regelmäßig kontrollieren.

 

Teduglutid ist einmal täglich subkutan zu injizieren. Dabei sollen die Patienten jedes Mal einen anderen der vier Quadranten des Abdomens als Spritzstelle wählen. Als Dosierung werden 0,05 mg pro kg KG empfohlen. Um die Verträglichkeit zu verbessern, ist es unter Umständen nötig, dass der Arzt die Tagesdosis reduziert.

 

Bei Patienten mit einer mäßigen oder schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance kleiner 50 ml/min) und bei terminalen Nierenerkrankungen wird empfohlen, die tägliche Dosis zu halbieren. Generell ist es ratsam, den Behandlungserfolg nach sechs Monaten zu hinterfragen und – falls es keinen positiven Effekt gibt – Teduglutid abzusetzen.

Wichtige Wechselwirkungen

Mit Teduglutid wurden keine Untersuchungen zu Wechselwirkungen durchgeführt. In vitro konnte keine Hemmung von Cytochrom-P-450-Enzymen gefunden werden. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich durch die Anwendung von Teduglutid die Absorption eingenommener Arzneimittel verbessert.

Nebenwirkungen

Bei gut der Hälfte der mit Teduglutid behandelten Patienten traten in Studien Nebenwirkungen auf. Am häufigsten wurden abdominale Schmerzen und Blähungen (49 Prozent), Atemwegsinfektionen (28 Prozent), Übelkeit (27 Prozent), Reaktionen an der Injektionsstelle (21 Prozent), Kopfschmerzen (17 Prozent), Erbrechen (14 Prozent) und periphere Ödeme (10 Prozent) beschrieben.

 

Aufgrund einer erhöhten Flüssigkeitsabsorption, die durch Teduglutid ausgelöst wird, sollten Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinsuffizienz und Hypertonie hinsichtlich einer Flüssigkeitsretention überwacht werden, insbesondere bei Therapiebeginn. Patienten sollten ferner angewiesen werden, bei plötzlicher Gewichtszunahme, Schwellungen der Fußknöchel und/oder Dyspnoe ihren Arzt aufzusuchen. Zudem sollten Patienten, die eine orale Begleitmedikation erhalten, die eine Dosistitration erfordert oder einen engen therapeutischen Bereich hat, aufgrund eventuell erhöhter Absorption sorgfältig überwacht werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist Teduglutid bei Patienten mit einer Krebserkrankung oder Patienten, bei denen eine Krebserkrankung vermutet wird. Auch wenn in den vergangenen fünf Jahren eine Krebserkrankung des Gastrointestinaltrakts aufgetreten ist, darf Teduglutid nicht zum Einsatz kommen. Der Hintergrund dieser Vorsichtsmaßnahme ist folgender: In Versuchsmodellen wurde nachgewiesen, dass Teduglutid das Wachstum von Zellen in der Darmwand stimuliert. Zwar konnte gezeigt werden, dass der Arzneistoff keine Tumor-auslösende Wirkung hat, doch wird der Hersteller die Sicherheit und Wirksamkeit des Arzneimittels durch das Einrichten eines Patientenregisters genau überwachen müssen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In einer placebokontrollierten Phase-III-Doppelblindstudie an Patienten mit Kurzdarmsyndrom, die parenteral ernährt werden mussten, wurden je 43 Patienten randomisiert entweder der Gruppe mit 0,05 mg/kg KG Teduglutid oder der Placebogruppe zugeordnet und 24 Wochen behandelt. Der Anteil der mit Teduglutid behandelten Patienten, die eine mindestens 20-prozentige Reduktion des Bedarfs an parenteraler Ernährung in der 20. und 24. Woche erreichten, war signifikant höher als unter Placebo: 27 Patienten (63 Prozent) unter Teduglutid gegenüber 13 (30 Prozent) unter Placebo.

 

Die Behandlung mit Teduglutid reduzierte innerhalb von 24 Wochen den Bedarf an parenteraler Ernährung um 4,4 l/Woche (im Vergleich zur Ausgangsmenge von 12,9 l in der Vorbehandlungsphase) versus 2,3 l/Woche (im Vergleich zur Ausgangsmenge von 13,2 l in der Vorbehandlungsphase) in der Placebo-Gruppe. 21 der mit Teduglutid behandelten Patienten (49 Prozent) erreichten gegenüber 9 mit Placebo behandelten Patienten (21 Prozent) eine um mindestens einen Tag verkürzte parenterale Ernährung.

Hintergrundinfos

Das Kurzdarmsyndrom ist eine seltene und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der durch operative Entfernung oder Funktionsverlust wichtiger Abschnitte des Dünndarms die Absorptionsfähigkeit des Darms verringert ist. Um dennoch eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu erhalten, müssen viele Betroffene parenteral ernährt werden. Die Darmperistaltik kann zum Beispiel mit Loperamid und N-Butylscopolamin gehemmt werden.

 

Der EMA-Ausschuss für Humanarzneimittel ist der Ansicht, dass Teduglutid für Patienten mit Kurzdarmsyndrom von Nutzen ist, da es die benötigte Menge an parenteraler Ernährung deutlich reduziert. Patienten, die große Volumina an parenteraler Ernährung benötigen, könnten von einer deutlichen Verringerung profitieren. Patienten, die geringe Mengen benötigen, hätten sogar die Chance, die parenterale Ernährung ganz absetzen zu können.

Besonderheiten

Revestive ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern. Es darf nicht einfrieren.

 

Nach Rekonstitution sollte Teduglutid aus mikrobiologischen Erwägungen sofort verwendet werden. Die Lösung ist nach dem Anfertigen bei 25 °C noch drei Stunden lang chemisch und physikalisch stabil.

 

Revestive ist verschreibungspflichtig.

 

Weitere Hinweise

Vorsichtshalber sollte Teduglutid nicht bei Schwangeren und Stillenden zum Einsatz kommen.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 10.08.2016