| Daniela Hüttemann |
| 16.06.2026 12:00 Uhr |
Die Großherstellung für die Truppe findet in der Bundeswehrkrankenhausapotheke Ulm statt. / © Imago/Arnulf Hettrich
Neben Ulm gibt es noch vier weitere Bundeswehrkrankenhäuser in Hamburg, Berlin, Koblenz und Westerstede, die durch Bundeswehrapotheken versorgt werden. Die Versorgung des ambulanten Bereichs der Bundeswehr wird durch drei große zentrale Versorgungs- und Instandsetzungszentren (VersInstZ) für Sanitätsmaterial sichergestellt, die ebenfalls den Status einer Bundeswehrapotheke haben (in Quakenbrück, Blankenburg und Pfungstadt). »Grundsätzlich wird jedes Arzneimittel, das durch die Truppenärztin oder den Truppenarzt ausgegeben wird, durch diese drei Bundeswehrapotheken bereitgestellt – eine Mammutaufgabe«, so Oberfeldapotheker David Zeidler. In Epe und Krugau gebe es zudem je ein Sanitätsmateriallager.
Für den Bereich der Bundeswehr werden durch die Zentrale Arzneimittelkommission der Bundeswehr essenzielle Arzneimittel und Medizinprodukte definiert. Als essenziell gelten diejenigen Arzneimittel und Medizinprodukte, die für die akutmedizinische Versorgung von Verletzten in militärischen Konflikten benötigt werden und für die keine vergleichbaren Alternativen zur Verfügung stehen. Beispielhaft sind unter anderem Analgetika, Sedativa und Antibiotika zu nennen. »Diese Liste ist Grundlage für die Herstellung, Beschaffung und Bevorratung«, so Zeidler.
Bei der Beschaffung von Arzneimitteln stehe die Bundeswehrapotheke vor ähnlichen Herausforderungen wie zivile Krankenhäuser, Stichwort Lieferengpässe. Sorgen mache die Abhängigkeit von Produktionsstätten in Drittländern und anfällige Lieferketten (Stichwort querliegendes Schiff im Suezkanal und Blockade der Straße von Hormus). »In der Ukraine sehen wir, wie man mit relativ einfachen Mitteln kritische Infrastruktur zerstören kann«, so Zeidler im Hinblick auf Drohnenangriffe. Davor sind dort weder Apotheken noch Krankenhäuser sicher.
Die Großherstellung für die Truppe findet in der Bundeswehrkrankenhausapotheke Ulm statt. »Wir beschränken uns dabei auf Arzneimittel, die nicht oder nur eingeschränkt marktverfügbar sind und eine wehrmedizinische Relevanz aufweisen«, erklärte Oberfeldapotheker Zeidler. »Wir stellen essenzielle Arzneimittel her, um unsere eigenen Soldatinnen und Soldaten zu versorgen, auch im Konfliktfall.«
Sanitätskräfte versorgen unter Beobachtung des Fallmanagers einen verwundeten Soldaten während der Übung Donau-Samariter 2021 des Sanitätsregiments 3 in Dornstadt. Die Bundeswehrkrankenhausapotheken statten auch die Einsatzersthelfer Alpha aus. / © Bundeswehr/Patrick Grüterich
Produziert werden unter anderem Parenteralia, zum Beispiel Antidote für den Fall eines CBRN-Szenarios. Das Kürzel steht für chemische, biologische, radiologische und nukleare Kampfstoffe. Ein klassisches Beispiel als Gegenmittel bei einer Nervenkampfstoffvergiftung ist Atropinsulfat; es seien jedoch noch mehr Antidote in der Entwicklung.
Die Bundeswehr entwickle derzeit auch einen neuen Autoinjektortypen, den Soldatinnen und Soldaten im Feld in ihrer Uniform mitführen sollen. Das neue Modell soll deutlich größer als bislang verfügbare Autoinjektoren sein, circa 15 Zentimeter lang und zwei bis drei Zentimeter dick.
Die Größenzunahme sei jedoch kein Nachteil: Die Uniform habe viele Taschen, um Ausrüstung körpernah zu verstauen. Im Verletzungsfall, womöglich unter Schock und mit kalten, zittrigen Händen, könnte es mitunter schwer sein, die bisherigen Modelle zu finden und korrekt zu bedienen.