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Vaginalia
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Arzneiformen für die Frau

Vaginalia sind etwas Besonderes. Unabhängig davon, ob eine lokale oder systemische Wirkung gewünscht ist, sollte die Anwendung einfach, der Verbleib am Applikationsort gesichert und trotzdem kaum wahrnehmbar sein.
AutorKontaktRolf Daniels
Datum 03.04.2022  08:00 Uhr

Indikationsgebiete für Vaginalia

Vaginalia dienen meist zur Lokaltherapie. Sie sind inzidiert bei bakteriellen Infektionen, bei Ausfluss und Entzündungen der Scheide durch Pilze (meist Candida) sowie zur Geburtseinleitung durch Prostaglandine. Auch vaginal applizierte Hormonpräparate, zum Beispiel zur Kontrazeption, zur assistierten Reproduktion oder bei einer Hormonersatztherapie, wirken überwiegend lokal. Typische Wirkstoffe in Vaginalia sind in der Tabelle zusammengefasst.

Aufgrund der physiologischen Gegebenheiten ist in Abhängigkeit von den physikochemischen Eigenschaften des Wirkstoffs nach dessen Freisetzung in der Vagina meist auch dessen Resorption zu erwarten. Dies kann erwünscht sein, wenn dadurch die Wirksamkeit verstärkt wird. Häufig ist es aber unerwünscht, da damit auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) verbunden sein können.

Wirkstoffklasse Substanzen
Antibiotika, Antiinfektiva Clindamycin, Metronidazol
Antimykotika Ciclopirox, Clotrimazol, Fenticonazol, Miconazol, Nystatin
Antiseptika Dequaliniumchlorid, Hexetidin, Octenidin, Polyhexanid, Povidon-Iod, Policresulen
Estrogene Estradiol, Estriol, Ethinylestradiol, Prasteron (Dehydroepiandrosteron, DHEA)
Gestagene Etonogestrel, Progesteron
Mikrobizide Astodrimer-Natrium
Antiphlogistika Benzydaminhydrochlorid
Phytopharmaka, Homöopathika Majoran, Melisse, Ringelblume, Sonnenhut
Präbiotika Milchsäure, Inositol
Probiotika Lactobacillus-Stämme
Prostaglandine Misoprostol, Dinoproston
Vitamine Ascorbinsäure
Tabelle: Wirkstoffklassen und typische Substanzen in Arzneimitteln zur vaginalen Anwendung

Neben Arzneimitteln gibt es eine Vielzahl von Medizinprodukten, die meist auf eine Befeuchtung der Vagina und Normalisierung des Scheidenmilieus abzielen, wobei diese Produkte oft Milchsäure und/oder Lactobacillus-Kulturen oder -Hydrolysate enthalten. Da lebende Mikroorganismen in Arzneimitteln sehr feuchteempfindlich sind, können sie nur in wasserfreien Formulierungen wie Tabletten oder Suppositorien ausreichend lagerstabil formuliert werden. Hyaluronsäure wird bei Scheidentrockenheit eingesetzt. Sie hat ein hohes Wasserbindungsvermögen und ist zusätzlich bioadhäsiv, wodurch eine andauernde Befeuchtung der Vaginalschleimhaut erreicht werden kann.

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