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Sachsen-Anhalt
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Arnold: »Wir sind gezwungen, zu kooperieren«

Der wirtschaftliche Druck ist groß, Zeit und Personal knapp – in Zukunft führt für die Apotheken kein Weg an einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit vorbei. Das betonte der LAV-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt, Mathias Arnold, bei den Wirtschaftstagen in Dessau.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 11.09.2026  14:30 Uhr

Für die Apotheken stehen die Zeichen auf sektorübergreifende Kooperation, so Mathias Arnold. In seinem Auftaktvortrag bei den 30. Wirtschaftstagen des Landesapothekerverbands Sachsen-Anhalt in Dessau hob der Vorsitzende unter anderem hervor, wie sehr der Berufsstand die pharmazeutischen Dienstleistungen benötigt. »Sie stärken unsere Rolle als Heilberufler.« Aber die Zusammenarbeit ist auch nötig, um gut mit den knappsten Ressourcen in einer Offizin – Arbeitskraft und Arbeitszeit – umzugehen.

Auch wenn klar sei, dass die »Leistung am Menschen« arbeitsintensiv sei, sich nicht skalieren lasse und eine Vorabinvestition mit ungewisser Rendite erfordere: »Wir müssen diesen Weg gehen, aber mit Bedacht«, sagte er. Deutlich machte Arnold auch die Unterscheidung, dass die pharmazeutischen Dienstleistungen die Versorgung retten – nicht aber das Gesundheitssystem.

In Richtung Politik warnte der LAV-Vorsitzende davor, das Sicherheitsnetz der Vor-Ort-Apotheken an rein ökonomische Gesichtspunkte zu knüpfen – es sei nicht rentabel. »Wir brauchen eine differenzierte Preisgestaltung oder Selektivität.«

Heilberufliche Netzwerke zentral

Zentral für die Zukunft der Apotheke wird nach Arnolds Auffassung sein: eine kooperative Primärversorgung im heilberuflichen Netzwerk, neue Aufgaben in der Akutversorgung sowie die Ausweitung der Präventionsaufgaben. Langfristig könne allein die Prävention das System entlasten. Dazu gehört: »Weg von der Produktzentrierung und hin zur Patientenzentrierung.«

Obwohl der Druck, zu sparen, bei steigenden Lasten bleibt, will er den LAV-Mitgliedern die Angst vor dem Wandel ausdrücklich nehmen. »Wir werden auch in Zukunft als Menschen, die Menschen betreuen und versorgen, gebraucht, und das Vertrauen der Patienten ist unsere Währung.«

Daran ändern in seinen Augen auch die jüngsten Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt nichts, wo die AfD knapp 44 Prozent der Stimmen holte. »Für den Landesapothekerverband bleibt wichtig, die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten – egal, wer regiert«, so Arnold.

Diese Wirtschaftstage in Sachsen-Anhalt waren nun die letzten ihrer Art, denn die LAVe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schließen sich zu einem Mitteldeutschen Apothekerverband (MAV) zusammen. Ein ähnliches Format stellte Arnold aber auch für den künftigen MAV in Aussicht.

ApoVWG – Knackpunkt Vertrauen

Dass sich Apotheken durch weitere Leistungen positionieren müssen, sieht auch Michael Jung so. Der Bereichsleiter Recht bei der ABDA warf einen juristischen Blick auf die aktuellen Veränderungen im Apothekenbereich – sowohl national als auch auf europäischer Ebene. »Man muss in Brüssel dabei sein.« Darauf wies er mit Blick auf die EU-Pharmareform hin, in der es unter anderem um Versorgungsengpässe, Werbevorschriften, elektronische Packungsbeilagen, Wiederabgabe von Arzneimitteln und Verschreibungspflicht für antimikrobielle Arzneimittel geht.

Beim Thema Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hob Jung einige Aspekte mit Beigeschmack hervor. Zum Beispiel, dass der GKV-Preis für pharmazeutische Dienstleistungen für Selbstzahler nicht bindend ist. »Man kann also als Apotheke da selbst kalkulieren, aber sollte auf jeden Fall den Kunden gegenüber transparent sein«, betonte er. Schließlich gehe es um Vertrauen.

Dieses könnte ebenso auf dem Spiel stehen, wenn bei der im ApoVWG vorgesehenen venösen Blutabnahme Apotheken am Ende zwar die Werte ihrer Patientinnen und Patienten vorliegen haben, aber keine Diagnose stellen dürfen. Ähnliche Szenarien für einen Vertrauensverlust sieht Jung, wenn künftig PTA unter bestimmten Voraussetzungen zeitweise den Betrieb aufrechterhalten dürfen, wenn die Apothekenleitung abwesend ist. »Einige Dinge werden dann rechtlich nicht möglich sein«, so Jung. Das eingeschränkte Angebot müsse ein Apothekenleiter dann wiederum den Kunden kommunizieren.

Imageverlust durch Systemausfall

Die gesetzlichen Voraussetzungen sind aber nicht die einzige Situation, in der eine Apotheke ihr Vertrauen verspielen kann. Ein Cybercrime-Vorfall ist ebenfalls rufschädigend. Welche Angriffsformen aus dem Netz es gibt, wie sich Betriebe vor solchen Attacken wie Datenveränderung, PC-Sabotage, Ausspähen oder Erpressung schützen können und wie betroffene Offizinen im Ernstfall reagieren sollten, berichtete Kriminalkommissar Vincent Kums vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt.

Derzeit passieren Zugriffe meist mithilfe von Ransomware, häufig sitzen die Täter im Ausland. Nach Angaben des Kriminalkommissars richten sich etwa 90 Prozent dieser Angriffe gegen kleine und mittlere Unternehmen. Und allein in Deutschland kamen bereits rund 100 verschiedene Ransomware-Varianten zum Einsatz. Die häufigsten sind: Akira, SafePay und INC/Lynx.

Ziel sei entweder, Daten für die Wirtschaftsspionage abzuschöpfen, Lösegeld zu erpressen – oder beides, so Kums. Wer Opfer eines digitalen Betrugsdelikts wird, sollte laut Kums Strafanzeige erstatten. »Keine Angst, wir fahren nicht mit Blaulicht vor der Apotheke vor«, sagte er. Aber jede digitale Spur etwa auf eine IP-Adresse könne den Cybercrime-Ermittlungen helfen, andere Straftaten aufzuklären, bei denen bislang entscheidende Hinweise fehlten. Klar sein müsse man sich auch, dass man durch Geldzahlungen weitere Cybercrime-Attacken finanziere.

Die Risiken eines Cybercrime-Vorfalls lassen sich aber reduzieren, beispielsweise durch regelmäßige Software-Updates, Firewalls und Virenscanner. Zudem ist für alle Teammitglieder ein »verantwortungsvoller Umgang« mit Daten entscheidend. Wichtig ist demnach auch, E-Mail-Adressen früherer Mitarbeiter zu löschen. Besonders schwierig wird es, wenn die KI gefälschte Rechnungen mit dem Verweis auf eine neue IBAN erstellt. Oftmals seien diese kaum vom Original zu unterscheiden. Kums empfiehlt, Kontaktdaten und Ansprechpartner auf der Unternehmenswebsite gegenzuchecken.

Krankheitsbild Mediensucht

Wie es gelingt, ein gesundes Verhältnis zu digitalen Medien zu entwickeln und so psychischen Erkrankungen vorzubeugen, war Thema des Vortrags von  Diplom-Psychologe Dr. Boris Gauss. Er stellte klar, dass Verhaltenssüchte nicht nur Kinder und Jugendliche betreffen, sondern auch Erwachsene. Gemeint ist problematische Mediennutzung in Form von Gaming, Social Media, Streaming, Shopping oder Pornografie.

Verbunden mit diesen Störungen sind eine Reihe körperlicher und psychischer Gesundheitsprobleme. Dazu können Angst, Depressionen, ADHS-Symptome, Gereiztheit und Traurigkeit gehören. Zudem kann die Mediensucht zu einer Entfremdung zwischen Jugendlichen und Eltern führen oder Auswirkungen auf Freundschaften haben, bis hin zur Einsamkeit. Manche Betroffene leiden unter Schlafproblemen, Schmerzen des Bewegungsapparats oder Übergewicht. Und neurobiologisch können auch eine reduzierte Fehlersensitivität sowie eine eingeschränkte Impulskontrolle die Folge sein.

Laut Gauss lässt sich Mediensucht vorbeugen, indem man bei Kindern die Nutzung digitaler Medien begleitet statt verbietet, digitalfreie Zonen und Zeiten etabliert sowie Kindern unter drei Jahren keine Bildschirme zur Verfügung stellt. Außerdem warnt der Psychologe davor, die Nutzung an Erziehungsmaßnahmen zu knüpfen, und weist Eltern auf die Bedeutung ihrer Vorbildfunktion hin.

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