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Apotheker in Europa
Arnold kandidiert für PGEU-Vorsitz

Apotheker haben eine gute Ausgangsposition auf EU-Ebene

PZ: Für Deutschland fällt die EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Juli 2020 in schwierige Zeiten. Die Apotheker wollen den Kampf gegen Lieferengpässe bei Arzneimitteln auf der Tagesordnung sehen.

Arnold: Die EU-Kommission hat erkannt, wie wichtig es ist, die Produktion an europäische Standorte zurückzuholen. Die Krise hat gezeigt, dass die Arzneimittelversorgung bei Produktionsausfällen, Export- oder Logistikproblemen anfällig ist. Wir müssen uns natürlich damit beschäftigen, wie in Zukunft ein europäischer Austausch etwa von Arzneimitteln und Schutzausrüstungen funktionieren kann, der fair und solidarisch ist.

PZ: Die Apotheker haben aufgrund ihres Einsatzes während der Pandemie aber nun eine gute Ausgangsposition, um sich auf EU-Ebene Gehör zu verschaffen, oder?

Arnold: Der Wert der Apotheke vor Ort für jedes Gesundheitssystem ist unter Coronavirus-Bedingungen definitiv in der Politik angekommen. Und ist nicht nur in den Nationalstaaten, sondern auch in der europäischen Politik anerkannt worden. Und gerade weil sich die alten Probleme der öffentlichen Apotheken in der Krise verschärft haben, kann es jetzt endlich um Lösungen gehen. Diskutiert wird sicher, wie eine gemeinsame Nutzung von Big- Data-Informationen funktionieren kann und welche Sonderregeln es dafür geben muss. Im Überschwang der Digitalisierung muss man nämlich aufpassen, nicht die regionalen Versorgungsstrukturen kaputt zu machen. Eins steht fest: Es wird viele Veränderungen geben und wir müssen diese im Sinne der Vor-Ort-Apotheken mitgestalten und sicherstellen, dass sie auch grenzübergreifend funktionieren.

PZ: Gesundheit ist für die EU-Ratspräsidentschaft ein bedeutenderes Thema geworden als ursprünglich angenommen. Wie schätzen Sie das ein?

Arnold: In allen europäischen Ländern ist Gesundheit Chefsache geworden. Und das spiegelt sich sehr gut im Programm der Ratspräsidentschaft wider. Insbesondere ist der gleichberechtigte Zugang zu Arzneimitteln für alle EU-Bürger ein zentrales Thema. Wie kann der Apotheker künftig Lieferengpässe vermeiden, indem er beispielsweise leichter Präparate austauschen darf? Wie können wir uns in Engpass-Situationen europaweit solidarisch besser aushelfen? Da wir in gutem Kontakt zum Bundesgesundheitsministerium stehen, bin ich guter Dinge, dass wir unsere Fachexpertise als Apotheker einbringen und relevante Themen auf europäischer Ebene platzieren können. Außerdem können wir uns als Deutsche im Rahmen der Ratspräsidentschaft bei europäischen Projekten einbringen und uns zudem über die PGEU zu Wort melden. Die Konstellation für den Berufsstand könnte derzeit also kaum besser sein. Ich hoffe sehr, dass wir einige Erfolge erzielen werden. 

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