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Covid-19

Antikörper sind nach Genesung lange stabil

Ähnliche Ergebnisse aus Wuhan

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine deutlich größere Studie von Zhenyu He und Kollegen vom National Clinical Research Center for Respiratory Diseases, China-Japan Friendship Hospital in Peking. In dieser Längsschnittstudie, die in »The Lancet« publiziert wurde, wurden zunächst zufällig ausgewählte Angehörige von 4600 Haushalten untersucht. Letztlich nahmen 3556 Familien mit 9542 Einzelpersonen an der Erstuntersuchung im April 2020 teil. Von diesen wurden 532 (5,6 Prozent) positiv für Pan-Immunglobuline gegen SARS-CoV-2 getestet. Das entspricht einer bereinigten Seroprävalenz von 6,92 Prozent in der Bevölkerung.

82,1 Prozent der Teilnehmer, bei denen Pan-Immunglobuline nachweisbar waren, waren asymptomatisch erkrankt. 13,0 Prozent produzierten zu Studienbeginn IgM-Antikörper, 15,8 Prozent wurden positiv für IgA-Antikörper getestet, 100 Prozent für IgG-Antikörper und 39,8 Prozent für neutralisierende Antikörper. Der Anteil der Personen mit Pan-Immunglobulinen und neutralisierenden Antikörpern blieb bei den beiden Nachuntersuchungen (die erste im Juni 2020 und die zweite von Oktober bis Dezember 2020) stabil. Allerdings waren die neutralisierenden Antikörpertiter bei asymptomatischen Personen niedriger als bei bestätigten Fällen und einem symptomatischen Krankheitsverlauf. Die ohnehin geringen Anteile von Personen mit nachweisbaren IgM- und Ig-A-Titern sanken bei den Nachfolgeuntersuchungen weiter. So fiel der Anteil der Probanden mit IgM-Antikörpern von 13 Prozent im April auf 3,9 Prozent im Juni und 1,5 Prozent im Oktober bis Dezember. 

Die Autoren dieser Studie heben positiv hervor, dass die Titer spezifischer Antikörper gegen SARS-CoV-2 über eine lange Zeit nahezu konstant blieben. Sie mahnen aber auch an, dass eine Massenimpfung erforderlich ist, um einen Herdenschutz zu bewirken, da überraschenderweise die bereinigten Seroprävalenz in der stark betroffenen Region um Wuhan bei nur 6,92 Prozent der Bevölkerung  lag.

Professor Dr. Christian Drosten, Virologe an der Charite in Berlin, kommentierte die Studie in dem NDR-Podcast »Coronavirus-Update« vom 27. April. Beim IgM sei es normal, dass es verschwindet. Diese Sofortantikörper verschwänden auch bei anderen Infektionskrankheiten nach etwa sechs Wochen wieder. Aber auch der Anteil der Menschen mit IgA-Antikörpern nehme mit der Zeit deutlich ab, was bedeute, dass der Schleimhautschutz schwächer werde, der für die Verhinderung von Infektionen wichtig ist. »Nach einem Dreivierteljahr hat gerade noch ein Viertel der damals IgA-positiven Patienten jetzt noch IgA nachweisbar. Gleichzeitig sinkt die Höhe des IgA«, sagte Drosten. »Beim IgG sehen wir das nicht. Da haben wir gesagt, wir sind immer noch bei 91 Prozent nach neun Monaten.« Ein Immunschutz bleibt also bestehen. 

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