Um das herauszufinden, untersuchte ein Forschungsteam um Dr. Nima Gharahdaghi von der Universität Oxford bei rund 4900 CED-Patienten, wie häufig neutralisierende Antikörper gegen IL-10 auftraten. Zusätzlich analysierten sie einen möglichen Zusammenhang zwischen den Antikörpern und der Genvariante HLA-DRB1*01:03. Als Kontrollgruppe dienten etwa 1000 gesunde Personen.
Etwa 3,5 Prozent der CED-Patienten wiesen neutralisierende Antikörper gegen IL-10 auf. In der Kontrollgruppe fanden die Forschenden dagegen keine solchen Antikörper. Zudem stellten sie einen starken Zusammenhang zwischen den IL-10-neutralisierenden Antikörpern und HLA-DRB1*01:03 fest. Bei Personen mit dieser Genvariante waren die Antikörper deutlich häufiger nachweisbar. Damit könnte das Forschungsteam einen möglichen Ansatz gefunden haben, wie die Genvariante die Entstehung von CED beeinflusst.
»Wir vermuten seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle von Interleukin 10 bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen. Die Studie liefert nun klare Belege und trägt zur fehlenden Verbindung zwischen einer bekannten genetischen Variante, die in der Vergangenheit mit schwerer entzündlicher Darmerkrankung in Verbindung gebracht wurde, und der sehr kürzlich entdeckten Autoimmunität gegen Interleukin 10 bei«, sagt Professor Dr. Holm Uhlig, Seniorautor der Studie, in einer Mitteilung der Universität.
Die Ergebnisse könnten langfristig auch für die Diagnostik und Behandlung relevant sein. Die Forscher vermuten, dass sich anhand der Antikörper ein Bluttest entwickeln lassen könnte, der betroffene Patienten identifiziert. Dies könnte helfen, Patientengruppen gezielter zu erkennen und Behandlungen individuell anzupassen. Der Immunologe Dr. Rainer Doffinger erklärt, man könne so die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und eventuell zukünftig eine dauerhafte Remission ermöglichen.