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Esketamin

Antidepressives Nasenspray bald auch in Europa

Das Esketamin-haltige Nasenspray Spravato® von Janssen-Cilag hat eine Zulassungsempfehlung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erhalten. Damit steht die Markteinführung des neuen, schnell wirksamen Ansatzes zur Behandlung schwerer Depressionen kurz bevor.
Annette Mende
21.10.2019
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Das Narkosemittel Ketamin wird schon seit einer Weile mit einigem Erfolg off Label bei therapieresistenten Depressionen eingesetzt. Damit dürfte es nun auch in Europa bald vorbei sein, denn höchstwahrscheinlich folgt die EU-Kommission der Empfehlung der EMA und erteilt Spravato die Zulassung. Dann steht das wirksame Ketamin-Enantiomer Esketamin als zugelassenes Therapeutikum zur Verfügung – das erste Antidepressivum, das in Form eines Nasensprays angewendet wird. In den USA ist Spravato bereits seit März zugelassen.

Spravato soll nicht als Monotherapie eingesetzt werden, sondern stets in Kombination mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Die Anwendung ist beschränkt auf Patienten mit moderater bis schwerer Depression, die in der aktuellen Krankheitsepisode auf mindestens zwei verschiedene Antidepressiva nicht angesprochen haben. Der Vorteil von Spravato ist, dass es bei einer breiten Palette von depressiven Symptomen positive Effekte hat, teilt die EMA mit.

Esketamin wirkt laut EMA antidepressiv über einen Antagonismus am NMDA-Rezeptor. Dadurch werde die Freisetzung von Glutamat vorübergehend erhöht. Der große Vorteil von Esketamin ist, dass die Wirkung vergleichsweise schnell eintritt. Bei allen anderen Antidepressiva dauert es länger – meist einige Wochen –, bis überhaupt eine Aussage darüber möglich ist, ob der Patient anspricht oder nicht. Aber Esketamin ist auch dauerhaft wirksam, wie erst im Juli dieses Jahres in einer Phase-III-Studie gezeigt werden konnte.

Spravato wird als Nasenspray mit 28 mg Wirkstoff auf den Markt kommen. Vermutlich werden auch in Europa wie in den USA Auflagen für die Anwendung gelten. Dort darf das Medikament nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden und der Patient muss danach mindestens zwei Stunden lang beobachtet werden. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind eher durch das Missbrauchspotenzial des Arzneimittels als durch die Nebenwirkungen, zu denen Benommenheit, Übelkeit und Schwindel zählen, begründet.

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