Pharmazeutische Zeitung online
Antibiotika

Antidepressiva können Resistenzen fördern

Stärkster Effekt bei SSRI und SNRI

Sertralin ist wie Fluoxetin, das die Forscher in ihrer früheren Publikation unter die Lupe genommen hatten, ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Duloxetin zählt zu den selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI). Strukturell zeichnen sich alle drei Wirkstoffe durch eine sekundäre Aminogruppe mit einem Methylrest aus – eine Gemeinsamkeit, auf die die Autoren hinweisen, ohne sie zu bewerten.

Phäno- und genotypische Analysen bestätigten, dass wahrscheinlich ROS hinter den beobachteten Veränderungen steckten. Offenbar brachten die Antidepressiva die Bakterien dazu, ROS freizusetzen, was die Expression von Effluxpumpen ankurbelte und so direkt Resistenzen verursachte. Zudem entwickelten sich die Bakterien unter dem Einfluss der Antidepressiva vermehrt zu sogenannten Persistern, fuhren also ihren Stoffwechsel herunter und wurden dadurch weniger empfindlich gegen Antibiotika. Zumindest unter Sertralin kam es darüber hinaus zu einem verstärkten Gentransfer zwischen den Bakterien, was die Weitergabe von Resistenzgenen begünstigen kann. Allerdings fand die Bildung von ROS unter anaeroben Bedingungen, wie sie ja im Darm herrschen, deutlich weniger statt als unter aeroben Bedingungen und Resistenzen bildeten sich deutlich langsamer.

Wie groß die Bedeutung dieser experimentellen Ergebnisse für die Praxis ist, muss somit in weiteren Studien geklärt werden. Die Autoren mahnen solche Untersuchungen an und sind bereits auch selbst damit beschäftigt, wie Seniorautor Professor Dr. Jianhua Guo dem Nachrichtenportal »Nature News« verriet. Erste Ergebnisse aus In-vivo-Versuchen hätten gezeigt, dass Antidepressiva bei Mäusen die Darmmikrobiota verändern und einen Gentransfer begünstigen könnten.

Seite<12

Mehr von Avoxa