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Angsterkrankungen

Angst hat viele Gesichter – und viele Therapieoptionen

Angsterkrankungen können sich verselbstständigen und schließlich sogar Angst vor der Angst bewirken. Daher dürfen sie keinesfalls unbehandelt bleiben. Besondere Bedeutung werde hier der Psycho- und Verhaltenstherapie zugemessen. »Die Pharmakotherapie wird nur unterstützend eingesetzt«, hob Hahn hervor.

Unter anderem kommt Pregabalin als GABA-Strukturanalogon in der Therapie von Angsterkrankungen zum Einsatz. Dieser Calciumkanal-Modulator habe keine direkte Wirkung am GABA-Rezeptor, sondern wirke angstlösend durch die verminderte Ausschüttung exzitatorischer Neurotransmitter und hier insbesondere von Glutamat als Gegenspieler von GABA. Vorsicht sei insbesondere in der Kombination mit Alkohol oder anderen dämpfenden Substanzen wie Benzodiazepinen geboten, warnte Hahn. »Es wird über Atemdepressionen berichtet«, sagte sie.

Als weitere Medikamente zur Behandlung von Angst und Panik kommen selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) wie Sertralin, Paroxetin, Citalopram, Fluvoxamin sowie selektive Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren (SSNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin zum Einsatz. Alternativ stehen Buspiron als Wirkstoff aus der Substanzgruppe der Azapirone sowie die trizyklischen Antidepressiva Clomipramin und Opipramol sowie der MAO-Hemmer Moclobemid zur Verfügung. »Diese haben allerdings eine deutlich schlechtere Evidenz«, konstatierte Hahn.

Wirken Benzodiazepine wie Diazepam, Flurazepam, Clonazepam, Lorazepam oder Oxazepam angstlösend durch die Verstärkung körpereigener GABA-Effekte, so trete ihre Wirkung bereits nach 30 bis 60 Minuten ein. Zur Vermeidung eines »Suchtstrudels« sei jedoch grundsätzlich nur die kurzfristige Einnahme sinnvoll. Denn: »Der Kopf lernt, dass die Tablette hilft«: Bei unkontrolliertem Gebrauch sei die Gefahr der Abhängigkeit gegeben.

»Benzodiazepine haben das höchste Suchtpotenzial, da es sehr verführerisch ist, die Angst kurzfristig mal loszuwerden«, so Hahn. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in Deutschland 1,5 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen sind, sei größte Sorgfalt des verordnenden Arztes und therapiebegleitenden Apothekers in der medizinischen und pharmazeutischen Betreuung des Patienten geboten.

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