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ABDADatenbank2

AMTS CAVE prüft individuelle Risiken

Ist das gewünschte Schmerzmittel geeignet für den Stammkunden, der regelmäßig seine Asthma-Medikation einlöst? Gibt es ein Präparat, das eine Erdnussallergikerin gegen ihre Wechseljahresbeschwerden einnehmen kann? Mit den patientenindividuellen Risikochecks lässt sich ermitteln, ob ein Präparat bei einem speziellen Patienten angewendet werden darf. Mit dem Ausbau zur ABDADatenbank² wurden die bisherigen CAVE-Funktionen erweitert.
ABDATA Pharma-Daten-Service
11.09.2020  07:03 Uhr

»Anwendungsbeschränkung bei Atemwegserkrankung (obstruktiv)« – diese Warnung erscheint automatisch in der Kasse, wenn ein Asthma-Patient seine Kopfschmerzen mit Acetylsalicylsäure therapieren möchte. Grundlage für diese Meldung sind die Daten, die in der ABDADatenbank² zum einen für das gewünschte Präparat, zum anderen für den speziellen Patienten hinterlegt sind. In diesem Fall ist es das Anwendungsrisiko »obstruktive Atemwegserkrankung« für ASS-haltige Präparate und die Erkrankung »Asthma bronchiale« des Patienten. Hier liefert der automatische Abgleich zwischen Präparat und Patientendaten eine entsprechende Warnmeldung (Abbildung).

Der codierte Patient

Ausgangspunkt aller individuellen Checks sind die Angaben, die in der Kundendatenbank für einen Patienten hinterlegt sind. Nur wenn seine Merkmale erfasst sind, können seine Risiken beim Verkaufsvorgang automatisch geprüft werden. Der Patient muss vollständig codiert sein, um aussagekräf­tige Checkergebnisse zu erhalten.

Was kann alles codiert werden? Basisdaten sind Alter und Geschlecht. Bereits diese grundlegenden Angaben können Kriterien für die Eignung eines Arzneimittels sein. Häufig erscheint zum Beispiel ein Warnhinweis bei über 65-jährigen Patienten. Da sich Pharmakokinetik und Pharmakodynamik im Alter verändern, weist diese Meldung auf die besondere Verantwortung hin, die Arzt und Apotheker für ältere Patienten tragen.

Weiterhin sollten chronische Erkrankungen und Allergien hinterlegt werden. Für deren Codierung stehen sogenannte Medikationsrelevante Individualparameter (MIV) zur Verfügung. Der Begriff deutet an, dass diese Merkmale Einfluss auf die Eignung eines Arzneimittels haben können. Die einzelnen MIV sind jeweils einer Klasse zugeordnet, die bei der Auswahl eines Merkmals Unterstützung bieten kann (Kasten 1).

Lebensumstände berücksichtigen

Für eine umfassende Codierung sind darüber hinaus Charakteristika von Bedeutung, die nicht direkt mit einer Erkrankung in Verbindung stehen. ­So finden sich in der MIV-Klasse »Besonderer Lebensumstand« Merkmale wie »Schwangerschaft« oder »Stillzeit«, die im Rahmen der Arznei­mitteltherapie­sicherheit eine entscheidende Rolle spielen. Darüber ­hinaus gibt es zum Beispiel den »Kontaktlinsenträger«, für den bestimmte Wirk- und Hilfsstoffe in Augentropfen ungeeignet sind, oder den »Leistungssportler«, der vor mög­lichen Dopingmitteln gewarnt wird.

Auch in den »Altersbereichen« finden sich relevante Merkmale. Es erscheint auf den ersten Blick redundant, neben dem Geburtsdatum weitere altersbezogene Angaben wie »Frau im gebärfähigen Alter« zu erfassen. Grund für diese zusätzliche Codierung ist, dass sich gewisse Merkmale nicht auf einen konkreten Altersbereich eingrenzen lassen. So sind das Einsetzen der Menstruation und des Klimakteriums individuell, aber auch operative Eingriffe können dazu führen, dass eine junge Frau nicht als »Frau im gebärfähigen Alter« anzusehen ist und daraus resultierende Risikomeldungen für sie nicht relevant sind.

Um den Patienten so spezifisch wie möglich zu beschreiben, sind einige MIV zusätzlich in Haupt- und Folgebegriffe unterteilt. So kann ein Glaukom – sofern eindeutig bekannt – als Eng- oder Weitwinkelglaukom hinterlegt werden. Mit dieser exakten Codierung lassen sich unnötige Warnhinweise vermeiden. Zum Beispiel schränkt nur ein Engwinkelglaukom die Anwendung inhalativer Anticholinergika ein. Bestehen Unsicherheiten bezüglich der exakten Diagnose, sollte aber immer der Hauptbegriff, in diesem Fall das »Glaukom« ausgewählt werden. Dies gewährleistet, dass alle Warnungen zu einem Glaukom angezeigt werden.

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