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Arzt-Apotheker-Kommunikation

Am besten ist der persönliche Kontakt

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für die interprofessionelle Zusammenarbeit? Damit beschäftigt sich die Forschung von Apothekerin Dr. Marina Weißenborn von der Uni Heidelberg. Sie gibt Tipps, wie es am besten klappt zwischen Ärzten und Apothekern.
Daniela Hüttemann
29.11.2021  07:00 Uhr

Vorbehalte und Animositäten gibt es einige zwischen Ärzten und Apothekern, zumindest auf Verbandsebene. Das muss und darf aber im Sinne der Patienten nicht sein. Denn viele Studien zeigen, dass sich klinisch relevante Endpunkte wie Blutdruck oder Asthmakontrolle bessern, wenn Arzt und Apotheker gemeinsam arbeiten. Auch die Adhärenz der Patienten und ihre Lebensqualität lassen sich dadurch steigern und zudem Kosten einsparen. Nur eine Senkung der Mortalität sei bislang nicht belegt, berichtete Dr. Marina Weißenborn bei der digitalen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha) am 20. November.

Wenn also der Benefit für den Patienten klar ist, woran hakt es dann? Zunächst einmal sei dieser Nutzen beiden Professionen noch nicht bekannt genug, meint Weißenborn, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Heidelberg zu interprofessioneller Zusammenarbeit forscht. Diese werde in Deutschland zudem nicht so stark gefördert und gefordert wie in angloamerikanischen Ländern. »Die Arzt-Apotheker-Zusammenarbeit ist hochvariabel und es gibt kaum Standards, zum Beispiel wie und wann man bei arzneimittelbezogenen Problemen kommunizieren will«, so die klinische Pharmazeutin.

Barrieren seien unter anderem die steigenden bürokratischen Anforderungen und der damit verbundene Zeitmangel, ein unterschiedlicher Wissensstand, aber auch unzureichendes Wissen über gegenseitige Kompetenzen. So sei zum Beispiel manchen Medizinern nicht bewusst, wie umfangreich Apotheker Patienten die Arzneimittelanwendung erklären, zum Beispiel sie in der Handhabung von Asthmasprays schulen.

Offener und ehrlicher Umgang

Angst vor Kritik und Kränkung sollten aber kein Grund sein, nicht besser zusammenzuarbeiten. Ein offener und ehrlicher Umgang miteinander sei wichtig. Dabei steige das Ausmaß des Vertrauens und auch der Anvertrauung bestimmter Aufgaben an den anderen, je länger und besser sich Apotheker und Arzt kennen. Weißenborn riet daher Apothekern, sich bei neuen Ärzten auf jeden Fall persönlich vorzustellen, über die gegenseitigen Kompetenzen und Aufgabenverteilung zu sprechen und auch festzulegen, wann und wie kommuniziert werden soll – dass der Apotheker zum Beispiel nicht bei jeder Kleinigkeit anruft, sondern nur, wenn es dringend ist. »Manche Ärzte lesen dann lieber in Ruhe einen schriftlichen Hinweis aus der Apotheke, während andere lieber zwischendurch telefonieren«, so Weißenborn. Was denn nun dringend ist, muss individuell vereinbart werden. 

Bei einem ersten Treffen sollte es aber nicht bleiben. »Ärzte und Apotheker sollten regelmäßige Treffen etablieren und besprechen, was für beide gerade wichtig ist«, empfahl Weißenborn. Die Einbindung in den Arbeitsalltag sollte so einfach wie möglich und ein Nutzen für beide Heilberufler sichergestellt sein, so die Autorin des Buches »Arzt und Apotheker im Dialog – Arbeitsbuch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit«.

Es gibt zum Beispiel schon Algorithmen für einen standardisierten Umgang mit Interaktionen oder (Fax-)Vorlagen zum Austausch von Informationen. Praxis und Apotheke könnten sich darauf einigen, was bevorzugt verordnet und auf Lager gelegt werden sollte oder wie die Apotheke bei einem nötigen Austausch im Sinne des Arztes vorgehen soll, oder auch vereinbaren, bei welchen Interaktionen eine Rücksprache erforderlich ist. »Das erspart beiden Seiten Zeit und Arbeit«, war sich die Apothekerin sicher.

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