Sein Mandat im Bundestag behält Spahn. Aber für den einst sehr mächtigen CDU-Politiker ist es ein weiterer Rückschlag. Seit 24 Jahren ist der Münsterländer im Bundestag, zeitweise war er Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, dann sogar Bundesgesundheitsminister. 2018 bewarb er sich um den CDU-Vorsitz. Damals zog er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer den Kürzeren. Trotzdem blieb Spahn für die Union Hoffnungsträger, für einige wohl sogar möglicher Kanzler im Wartestand. Bis zu diesem Sommer.
Spahn war im Juli als Fraktionschef zurückgetreten, nachdem er und sein Mann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die Union verteidigt dieses Verbot, auch Spahn war in der Vergangenheit dafür eingetreten. In der CDU schwoll die Empörung binnen weniger Tage so an, dass Spahn als Fraktionschef nicht zu halten war. Am Ende drängte auch CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz.
Spahn selbst erklärte damals, dass sein »persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt«. Mitte September gab Spahn dann auch den Posten als CDU-Bezirkschef im Münsterland ab, den er zwei Jahre lang innegehabt hatte.
Zugleich baute die neue Fraktionsführung um Thorsten Frei für Spahn eine Brücke zum Neuanfang im Haushaltsausschuss. Mitentscheiden überalle wichtigen Finanzfragen mit der Expertise des einstigen Staatssekretärs: Das schien für Spahn gut zu passen. Aber auch damit ist es nach nur wenigen Tagen vorbei.
Wegen Spahns Abwesenheit in der vergangenen Woche kam es nach Berichten von »Stern«, »Spiegel« und ARD am Freitag zur Aussprache in der Fraktions-Arbeitsgruppe Haushalt. Mehrere der 14 Mitglieder sollen Spahns Rauswurf aus dem Bundestagsausschuss gefordert haben. Die Fraktionsspitze habe interveniert, als Kompromiss sei eine Art Bewährungsfrist bis Ende des Jahres vereinbart worden. Spahn kam übers Wochenende zu einem anderen Schluss.