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Offener Brief

Adexa fordert Rettungsschirm für Apotheker

Das Netz der Vor-Ort-Apotheken wird durch die AvP-Insolvenz noch mehr Löcher bekommen. Davon ist die Apothekengewerkschaft Adexa überzeugt und drängt auf Hilfe von der Politik. Sie sieht auch Arbeitsplätze in Gefahr.
Jennifer Evans
01.10.2020  17:00 Uhr

Jedes Apothekenteam wird in der kommenden Herbst- und Wintersaison gebraucht, betont die Adexa in ihrem offenen Brief und fordert von der Politik: »Lassen Sie die betroffenen Apotheken nicht im Regen stehen. Hier muss kurzfristige, aber auch nachhaltige Hilfe geleistet werden, wie sie auch die Apothekerverbände und -kammern jetzt fordern.«

Die Insolvenz des Apothekenrechenzentrums AvP ist nach Ansicht der Gewerkschaft für die Apotheker nun noch das i-Tüpfelchen in einem ohnehin schon finanziell schweren Jahr. »Auch wenn es für manche Außenstehende vielleicht so ausgesehen haben mag: Apotheken sind keine Gewinner der Covid-19-Pandemie«, heißt es. Das Honorierungsniveau sei ohnehin niedrig. Und das in einem seit 2016 unfairen Wettbewerbsumfeld. Gemeint ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Seitdem dürfen ausländische Versandapotheken deutschen Kunden Rabatte auf Rx-Medikamente geben, während die Apotheker hierzulande sich an die Preisbindung halten müssen. Zudem hätten die Apotheken wegen der Coronavirus-Pandemie »vielerorts mit Kurzarbeit zu kämpfen gehabt – aufgrund des Lockdowns in ihrem Umfeld und der Aufteilung in Teams aus Infektionsschutzgründen«, zählt Adexa weiter auf.

Zahlungsausfälle kaum zu stemmen

In ihrem Brief kritisierst die Gewerkschaft, dass Apotheken zwar »als systemrelevant anerkannt und für ihre Fachkompetenz und Flexibilität bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln gelobt« worden sind. Doch sich die finanzielle Situation in den Offizinen nicht entspannt habe. Im Gegenteil: Viele stünden aufgrund der AvP-Insolvenz »mitten im Kampf gegen wieder ansteigende Infektionszahlen« nun zudem »einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen« gegenüber. Selbst finanzstärkere Apotheken könnten die Ausfälle nur mit Mühe stemmen.

Unter der aktuellen Situation würden nicht nur die betroffenen Inhaber leiden, sondern auch die Mitarbeiter der mehr als 3000 betroffenen Betriebe. Die Gewerkschaft spricht von Gehaltsausfällen und langfristig sogar von noch schwierigeren Bedingungen für die Tarifverhandlungen.

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