| Lukas Brockfeld |
| 18.05.2026 17:50 Uhr |
Auch von Seiten der Ärzteschaft kommt Kritik an den geplanten Befugnissen der Krankenkassen. »Hochsensible Gesundheitsdaten gehören weiterhin in den von der ärztlichen Schweigepflicht geschützten Raum zwischen Arzt und Patient, nicht in die Hände von Krankenkassen. Wenn Kostenträger plötzlich präzise Gesundheitsprofile ihrer Versicherten anfertigen können, ist der Weg zur Einmischung in deren Lebensweise und Gesundheitsversorgung bereitet«, warnt etwa Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzten Deutschlands (SpiFa).
Der SpiFa begrüßt zwar die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens, diese brauche aber Sicherheit und Transparenz. »Patientinnen und Patienten müssen sich stets darauf verlassen können, dass alles, was sie ihren Ärztinnen und Ärzten über ihren Gesundheitszustand anvertrauen, streng geschützt bleibt. Vertraulichkeit ist die Grundlage für Offenheit im Gespräch und somit für eine gute Diagnostik und Behandlung. Ohne Vertrauen gibt es keine gute Medizin«, so Dirk Heinrich.
Vonseiten der Krankenkassen wird diese Sorge erwartungsgemäß nicht geteilt. Die AOK sieht in dem Gesetz beispielsweise den technischen Unterbau für das geplante Primärversorgungssystem. Durch das Vorhaben werde deutlich mehr Orientierung und Steuerung im »unübersichtlichen und sektoral fragmentierten Gesundheitswesen« möglich.
»Wir begrüßen es, dass in den Apps der gesetzlichen Krankenkassen künftig die gesamte Versorgungskette von der Ersteinschätzung über die Terminbuchung bis zur elektronischen Überweisung abgebildet werden soll«, erklärt Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands.