Hautkrebs: Vom Todesurteil zur chronischen Erkrankung |

Keine andere Krebserkrankung nimmt so stark zu wie Hautkrebs. Doch es gibt immer mehr und immer bessere Behandlungsmöglichkeiten, selbst für den tödlichen schwarzen Hautkrebs. Beim Deutschen Hautkrebskongress, der derzeit in Frankfurt am Main stattfindet, beraten 800 Experten über die neuesten Forschungsergebnisse – und die sind recht vielversprechend.
«Wir sind zurückhaltend mit dem Begriff Heilung», sagte Professor Dr. Dirk Schadendorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (Essen). «Aber wir sehen viele Fortschritte, die das Langzeitüberleben sichern.» Die Entwicklung sei vergleichbar mit Aids, sagte Kongresspräsident Professor Dr. Roland Kaufmann (Frankfurt am Main), der Chef der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: «Wir haben berechtigte Hoffnung, dass aus einer todbringenden Erkrankung eine chronische Krankheit wird – bei guter Lebensqualität.»
220.000 Patienten erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Hautkrebs, bei 20.000 ist es schwarzer Hautkrebs, der bisher im fortgeschrittenen Stadium (wenn er in die inneren Organe streut) fast immer tödlich verlief. 3000 Todesfälle pro Jahr verzeichnet das Krebsregister. Beunruhigend finden Experten die Zunahme der Fallzahlen von rund 4 Prozent pro Jahr. Zwei Gründe nennen die Fachgesellschaften: mehr und längere Urlaube zu entfernteren Zielen und die älter werdende Bevölkerung. «Wenn die sonnenverwöhnte Generation alt wird, erlebt sie ihren Hautkrebs», sagt Kaufmann. Daher pochen die Hautärzte auf dem Kongress so stark darauf, zu viel Sonne zu meiden und über 35 Jahre mindestens alle zwei Jahre zum Hautkrebsscreening zu gehen; Risikogruppen wie Rothaarige, Immungeschwächte oder Draußen-Arbeiter besser öfter.
Heller Hautkrebs ist gut behandelbar: Die befallene Stelle wird weggeschnitten, bei großen Flächen wird Haut transplantiert. Seltener, aber weit gefährlicher ist schwarzer Hautkrebs: «Nur fünf Prozent der Patienten mit einem fortgeschrittenen malignen Melanom haben bisher länger als fünf Jahre überlebt», erklärt Peter Mohr von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (Buxtehude).
In den vergangenen fünf Jahren habe es aber gleich mehrere «Revolutionen» bei den Behandlungsmöglichkeiten gegeben, berichten die Vertreter aller Fachgesellschaften unisono. Weil die Therapien so neu sind, könne man über Langzeiterfolge bei bereits gestreutem schwarzen Hautkrebs noch nichts abschließend sagen, «aber wir gehen davon aus, dass die Überlebensrate bald bei 40 Prozent liegt», sagt Mohr.
Zwei neue Formen von Medikamenten gegen fortgeschrittene Stadien sind inzwischen in Deutschland zugelassen. Peter Mohr erklärt, wie sie funktionieren. Bei der einen neuen Behandlungsoption mit den Kinasehemmern Vemurafenib (Zelboraf® von Roche) und Dabrafenib (Tafinlar® von Glaxo-Smith-Kline) ist ein mutiertes Protein namens BRAF das Ziel. Die Hälfte der Patienten hat diese Mutation, ist also prinzipiell für diese Therapie empfänglich. Das Medikament unterbricht den Signalweg in den entarteten Zellen und hemmt so die Teilung der Tumorzellen.
Mit dem anderen neuen Medikament, Ipilimumab (Yervoy® von Bristol-Myers-Squibb), wird eigentlich nicht der Krebs behandelt, sondern das Immunsystem gestärkt. Das Gute: Wenn diese Behandlung bei Hautkrebs funktioniert, könnte sich auch bei anderen Tumoren funktionieren, sagt Kaufmann. «Die Haut ist das Modellorgan für die Krebsforschung.»
Bei aller Euphorie dürfe man aber eines nicht verschweigen, sagt Mohr: «Das wird uns viel Geld kosten.» Bei der Immuntherapie fallen rund 100.000 Euro pro Patient an, beim Proteinhemmer 6000 bis 9000 pro Monat. Zudem müssen immer mehr Hautkrebs-Patieten in Krankenhäusern behandelt werden, wie das Statistische Bundesamt kürzlich berichtete. 2012 wurden 91 900 Menschen mit dieser Erkrankung stationär versorgt.
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Wirkstoffprofile Vemurafenib (Zelboraf® / 2012), Dabrafenib (Tafinlar® / 2013) und Ipilimumab (Yervoy® / 2011) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
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12.09.2014 l PZ/dpa
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