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Morbus Recklinghausen

Zulassungsempfehlung für Kinasehemmer bei Kindern

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat sich dafür ausgesprochen, den MEK-Hemmer Selumetinib zuzulassen. Das Einsatzgebiet sollen NF1-bezogene plexiforme Neurofibrome bei Kindern sein.
Sven Siebenand
26.04.2021  07:00 Uhr

Die Erkrankung Neurofibromatose Typ 1 wird nach der Erstbeschreibung häufig auch als Morbus Recklinghausen bezeichnet. Dabei stehen krankhafte Hautveränderungen in Form bindegewebiger Knoten (Fibrome) sowie gutartige Tumore des peripheren Nervensystems im Vordergrund. Ursache sind Mutationen im Gen für den Tumorsuppressor Neurofibromin 1 (NF 1). Das führt dazu, dass der Ras/Raf/MAPK-Signalweg überaktiv ist und es zu plexiformen Neurofibromen kommen kann. Im Gegensatz zum Neurofibrom, das als einzelne, abgrenzbare Läsion lokal auf die Nervenscheide begrenzt auftritt, tritt das plexiforme Neurofibrom im Ausbreitungsgebiet eines peripheren Nervs auf und involviert mehrere Faszikel und Nervenäste.

Selumetinib (Koselugo® Hartkapseln, Astra-Zeneca) ist wie Binimetinib, Cobimetinib und Trametinib, die man vor allem aus der Therapie des malignen Melanoms mit einer BRAF-V600-Mutation kennt, ein MEK-Kinasehemmer. Koselugo soll ab einem Alter von drei Jahren für die Behandlung von symptomatischen, inoperablen NF1-bezogenen plexiformen Neurofibromen zum Einsatz kommen.

Selumetinib kann das Volumen plexiformer Neurofibrome reduzieren und dadurch Folgen wie Schmerzintensität, Mobilität und/oder Entstellung bei Patienten verbessern. Zu den häufigsten Nebenwirkungen des Wirkstoffs zählen gastrointestinale Beschwerden, Hautausschlag und trockene Haut.

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