Auch Übergänge vom Studium in den Job zum Beispiel können von Unsicherheit geprägt sein, »weil man etwas Gewohntes aufgibt und stattdessen etwas macht, das man nicht kennt«, so Stockmann. Müssten Menschen zentrale Entscheidungen im eigenen Leben bei weltpolitischer und wirtschaftlicher Instabilität treffen, könne das der Psychologin zufolge ohnehin vorhandene Zukunftsängste verstärken.
Nicht zuletzt spielen soziale Medien eine Rolle. »Soziale Medien und ständige Nachrichten beeinflussen das Gefühl von Unsicherheit maßgeblich«, sagt Stockmann. Oft gehen eine gesunde Distanz und das Gefühl dafür verloren, was eigentlich normal und erreichbar ist.
Viele würden zudem eher auf Beiträge klicken, die Negatives erzählen, so Träder. Das könne unter dem Strich zu einer Verzerrung der Realität und somit zu innerer Unsicherheit führen.
Es gibt aber Mittel, um der eigenen Unsicherheit zu begegnen. Eine wichtige Rolle spielt Resilienz. Sie beschreibt unsere psychische Widerstandskraft. »Resilienz hilft dabei, trotz Ängsten optimistisch zu sein und Vertrauen darin zu haben, dass sich die Dinge gut entwickeln«, erklärt Stockmann.
Und Resilienz lässt sich trainieren. »Dazu gehört, sich auf mögliche Lösungen statt auf Probleme zu konzentrieren«, so Träder. Auch soziale Kontakte sind wichtig, sie bieten Halt in Krisenzeiten. Daneben ist Achtsamkeit sich selbst gegenüber entscheidend: Darauf zu achten, was einem guttut und was nicht, trägt dazu bei, die eigene Resilienz zu stärken.
Nicht zuletzt sollte man den eigenen Umgang mit Nachrichten und sozialen Medien reflektieren. Wer Nachrichten konsumiert, sollte nicht nur von Headline zu Headline springen. Besser: sich tiefergehend mit genau den Themen beschäftigen, die viele Sorgen auslösen. »Das bedeutet, längere Artikel lesen, die möglichst unterschiedliche Perspektiven abbilden und allgemein verschiedene Experten-Meinungen miteinander vergleichen«, so Träder.
Je mehr Informationen man hat, desto eher kann man eine fundierte Meinung entwickeln. Auch das stärke die Resilienz. »Alles, was diffus und chaotisch ist, hat ein höheres Verunsicherungspotenzial und kann leichter zu Zukunftsängsten führen.«