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Nicht opioide Analgetika

Zu viel ist schädlich

Beim Stichwort »schädlicher Gebrauch von Schmerzmitteln« denken die meisten zuerst an Opioide. Doch auch nicht opioide Analgetika sollten nicht im Übermaß verwendet werden. Denn sie können großen Schaden anrichten – ohne abhängig zu machen.
Annette Mende
13.12.2019
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In der neuen S3-Leitlinie »Medikamenten-bezogene Störungen«, die bald erscheinen soll, findet sich auch ein Kapitel über nicht opioide Analgetika. Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), leitet die entsprechende Arbeitsgruppe und gab beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin einen ersten Ausblick auf den Inhalt des Kapitels.

»Da nicht opioiden Analgetika eine zentrale Wirkung fehlt, haben sie kein klassisches Abhängigkeitspotenzial«, erklärte Schulz. Bei einem Übergebrauch der Mittel spreche man von einem schädlichen Gebrauch ohne Abhängigkeit. Welche Risiken damit verbunden sind, hängt zum Teil von der jeweiligen Substanz ab. So führen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen bekanntermaßen zu einem Anstieg des Risikos für gastrointestinale Blutungen und Nierenfunktionsstörung, Paracetamol ist potenziell lebertoxisch und die Coxibe, Triptane sowie manche NSAR wie Diclofenac erhöhen das Herz-Kreislauf-Risiko.

Eine Gemeinsamkeit aller nicht opioider Analgetika ist, dass sie bei zu häufiger Anwendung auch selbst chronische Kopfschmerzen auslösen können (Medication Overuse Headache, MOH). »Dieser ist abzugrenzen von Medikamenten-induziertem Kopfschmerz, der etwa durch Nitrate oder PDE-Hemmer ausgelöst wird«, betonte Schulz. »Die Evidenz für diese Unterscheidung zwischen 15 Tagen für Monosubstanzen und zehn Tagen für Kombinationspräparate beziehungsweise höher potente Substanzen wie Triptane oder Opioide ist nicht besonders gut«, schränkte Schulz ein. Es gebe keine Hinweise, dass Kombinationsanalgetika ein höheres Potenzial haben, diesen MOH auszulösen, als Monopräparate.

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