| Annette Rößler |
| 06.11.2026 18:00 Uhr |
»Wenn man diese Zahlen sieht, kann man sich fragen, ob das Geruchsvermögen von Patienten mit Migräne vielleicht einfach besser ist als das von Menschen ohne Migräne. Dieser Frage sind wir in unserer Arbeitsgruppe nachgegangen.« Die Ergebnisse der noch nicht publizierten Untersuchung von je 23 Migränepatientinnen und Kontrollen: Die Patientinnen hatten sogar eine schlechtere Geruchswahrnehmung als die Gesunden, insbesondere dann, wenn sie an einer Migräne mit Aura litten. Bei Kindern mit Migräne sei das jedoch nicht so, berichtete die Neurologin. »Offensichtlich passiert da etwas im Laufe der Zeit.«
Zum Thema Migräne und Gehör erschien erst kürzlich ein Reviewartikel im »Journal of Neurology« (DOI: 10.1007/s00415-026-13957-0). Demnach sind verschiedene Hörstörungen mit Migräne assoziiert, darunter neben der bekannten Überempfindlichkeit für Geräusche (Hyperakusis) auch Tinnitus und Beeinträchtigungen des Gehörs. »Infolge der Aktivierung des Trigeminusnervs bei Migräne kommt es zur Freisetzung von proinflammatorischen Mediatoren und zu einer verstärkten Durchblutung der Cochlea«, erklärte Goßrau-Solimena. Die resultierende Neuroinflammation kann einerseits die Geräuschwahrnehmung sowie die emotionale Reaktion auf Geräusche beeinflussen und andererseits auch zu einer Schädigung der Haarzellen im Innenohr führen.
»Insgesamt ist eine sensorische Hypersensibilität mehr als ein Begleitsymptom der Migräne«, fasste die Medizinerin zusammen. Die Empfindlichkeit für Licht, Geruch und/oder Lärm sei bei vielen Patienten während eines Anfalls erhöht, bei einigen auch zwischen den Attacken, und beruhe auf einer veränderten zentralen sensorischen Verarbeitung. Hier könnte sich theoretisch ein Angriffspunkt für eine Pharmakotherapie bieten, doch bislang gebe es dazu noch keine Evidenz.