| Ev Tebroke |
| 17.04.2026 09:00 Uhr |
Versender Doc Morris hat für den 12. Mai zur Generalversammlung eingeladen. Dabei soll es auch um eine Erneuerung des Verwaltungsrats gehen. / © DocMorris
Vor einigen Wochen hatte Großaktionär CEPD mit einem Antrag zur Neuausrichtung des Doc-Morris-Verwaltungsrats für Aufregung gesorgt. Darin hatte der Investor für die Generalversammlung die Wahl von drei eigenen Vertretern in den Verwaltungsrat und die Übernahme des Präsidiums beantragt. Auf Wunsch von CEPD, Tochter der polnischen Pelion-Gruppe, sollte der amtierende Präsident Walter Oberhänsli von dem früheren Celesio-CEO Fritz Oesterle abgelöst werden.
Der Verwaltungsrat kontert nun und rät den Aktionärinnen und -aktionären die Vorschläge abzulehnen und »damit den Versuch einer kalten Übernahme durch die Hintertür durch den polnischen Investor Jacek Szwajcowski abzuwehren«. Darüber informierte Doc Morris im Zuge der Einladung zur Generalversammlung.
»Der Verwaltungsrat ruft die Aktionärinnen und Aktionäre auf, ihr Stimmrecht zu nutzen, um ihre Investition zu schützen«, heißt es in der Mitteilung.
Weiter erklärt das Unternehmen: Wiederholt sei Jacek Szwajcowski, Eigentümer von CEPD und Pelion angeboten worden, dass CEPD einen Kandidaten für den Verwaltungsrat benennen könne – darauf sei er nie eingegangen. Auch habe CEPD keine Auskunft über ihre strategischen Absichten gegeben oder ihre Verpflichtungen gegenüber Finanzierungspartnern und Kreditgebern, trotz mehrfacher Anfragen.
Nach den eingereichten Anträgen sei nun klar warum: Szwajcowski trachte nach einer kalten Übernahme durch die Hintertür. Wer drei von sechs Verwaltungsratsmitgliedern und den Präsidenten stelle, kontrolliere das Unternehmen nach Belieben. »Dies steht im Widerspruch zu den Interessen aller anderen Aktionäre. Wer eine Kontrollübernahme will, muss dies mit einem öffentlichen Übernahmeangebot mit einer substanziellen Prämie zum Aktienkurs tun.«
Doc Morris hat derweil selbst eine Neuaufstellung des Verwaltungsrats im Blick. Bereits am 3. März habe man im Rahmen der fortlaufenden Erneuerung für die Hälfte des Verwaltungsrats drei neue, unabhängige Kandidaten vorgestellt, so das Unternehmen.
Thomas Bucher, Nicole Formica-Schiller und Thomas Reutter verfügten mit ihrer Expertise – insbesondere in Finanzwesen, Künstlicher Intelligenz sowie Corporate Governance – über die richtigen Kompetenzen zur geordneten Erneuerung des Gremiums und für die nächste Phase der Entwicklung von Doc Morris, ließ das Unternehmen wissen. Zusammen mit den bisherigen Verwaltungsräten Andréa Belliger, Walter Oberhänsli und Florian Seubert genössen sie das Vertrauen des eingespielten Führungsteams.
Rückendeckung kommt bereits von einem Aktionär. Vonseiten des Schweizer Sterling Strategic Value Fund, der 3, 2 Prozent der Aktien hält, hieß es, man unterstütze den von Doc Morris vorgeschlagenen Kurs der Erneuerung durch die Neubesetzung dreier Positionen im Verwaltungsrat. Walter Oberhänsli habe ihre Unterstützung. »Wir halten die Wahrung der Kontinuität auf der Ebene des Verwaltungsrats für entscheidend«, hieß es in einer Mitteilung.
Die Investmentgesellschaft CEPD hatte der jetzigen Doc-Morris-Spitze in ihrem Antrag mangelnde Führungskompetenz unterstellt. Unter anderem kritisierte sie in ihrem Schreiben, der Verwaltungsrat habe sich durchweg ignorant gegenüber den Interessen der Anteilseigner gezeigt und sei etwa dem Ruf nach einer grundlegenden Neuaufstellung der Führung nicht nachgekommen.
Der Großaktionär ist unzufrieden mit der wirtschaftlichen Performance des EU-Versenders und moniert einen Kursverlust von 98 Prozent in den zurückliegenden fünf Jahren. »Wiederholte Verfehlungen in der Strategieumsetzung und der Prognose« seien dafür verantwortlich, so CEPD in einer Mitteilung. Der derzeitige Verwaltungsrat sei nicht in der Lage, das Unternehmen zum Erfolg zu führen.
Doc Morris selbst sieht sich derweil auf einem guten Weg: Zum ersten Quartal 2026 habe man »erfreuliche Zahlen veröffentlicht. Sie belegen, dass Strategie und Maßnahmen greifen und Doc Morris auf Kurs ist«. Der Versender meldete »ein starkes Umsatzwachstum«. Gleichzeitig schreibt er aber weiterhin rote Zahlen.