»Nein, das ist völlig falsch«, sagt Jakob Maske. Jedes Kind und jede Stillbeziehung ist individuell. So manches lehne die Brust irgendwann ab, andere Kinder zeigen viel Ausdauer. Kinderärzte empfehlen das Stillen, solange es Kind und Mutter möchten.
»Würde das stimmen, würde das bei voll gestillten Kindern die komplette Ernährung auf den Kopf stellen«, sagt Jakob Maske. Bei den allermeisten Erkrankungen können Frauen problemlos weiter stillen.
Das gilt bei Grippe genauso wie bei Corona oder Magen-Darm-Infekten. Die Viren, die diese Krankheiten auslösen, werden nämlich nicht über die Muttermilch übertragen. Immer wichtig, im Krankheitsfall aber noch etwas mehr: Die Mutter sollte sich vor dem Stillen gründlich die Hände waschen.
Nur in wenigen Ausnahmen müssen Frauen aufs Stillen verzichten. So ein Fall liegt beispielsweise vor, wenn die Mutter sich in einer Krebstherapie befindet.
»Verteufeln sollte man sie auf keinen Fall«, sagt Jakob Maske. Die Premilch sei der Muttermilch angepasst und bilde »eine wahnsinnig gute Alternative für Familien«.
Eine komplette Kopie der komplexen Muttermilch ist Premilch zwar nicht. Dennoch: Diese industriell hergestellte Neugeborenen-Nahrung für Fläschchen enthalte Maske zufolge alle notwendigen Nähr- und Mineralstoffe und unterliege in Europa strengsten Kontrollen.
»Eine zu geringe Milchbildung kann in seltenen Fällen vorkommen«, sagt Kathrin Herold. »Das ist aber niemals die Norm und sollte immer abgeklärt werden.«
Die häufigsten Ursachen hinter der Annahme, zu wenig Milch zu haben, sei zu seltenes Anlegen oder ein zu ineffektives Saugen des Babys. Beides könne laut Herold behoben werden. Selten spielten medizinische Faktoren wie veränderte Schilddrüsenwerte eine Rolle.
»Anfangs kann das Stillen unangenehm für die Mutter sein«, sagt Kathrin Herold. Aber anhaltender oder starker Schmerz sei immer ein Warnzeichen und sollte überprüft werden. »Meist ist das Kind nicht optimal angelegt oder es hat Saugprobleme.«
Hilfe bekommt die Mutter von einer Hebamme oder einer Stillberaterin mit IBCLC-Zertifikat.