Nicht jede Frau kann oder möchte stillen. Wichtig ist allein, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen. / © Getty Images/ monkeybusinessimages
Jede Mama, die ihr Kind mit Muttermilch ernährt, kennt die – in Anführungsstrichen – gut gemeinten Kommentare aus ihrem Umfeld. Längst nicht alle Tipps und Aussagen, die kursieren, stimmen auch. Wir haben zehn von ihnen gecheckt.
Wer zu Milchpulver und Fläschchen greift, ist eine schlechtere Mutter? »Von diesem Kategorie-Denken sollten wir uns schnell verabschieden«, sagt Kathrin Herold, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband. Nicht jede Frau kann schließlich stillen. Und nicht jede Frau, die stillen kann, möchte das auch tun.
Es kommt allein darauf an, dass Eltern die Bedürfnisse ihres Kindes erkennen und erfüllen – von Nähe bis Nährstoffe. »Das ist mit oder ohne Stillen möglich«, sagt Kathrin Herold.
Und wie sieht es der Kinderarzt? Medizinisch gesehen stelle Muttermilch für Neugeborene die beste Ernährung dar, so Jakob Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). Aber: Mittlerweile gebe es gute andere Ernährungsformen. »Man sollte eher sagen: Es ist schön, wenn Frauen stillen. Aber sie können ihr Kind auch anders ernähren.«
Kein Grund zur Sorge. Hinter dem ständigen Verlangen des Babys nach der Brust – auch Clusterfeeding genannt – steht ein cleverer Mechanismus. Es dient dazu, die Milchmenge zu steigern und so an den Bedarf des Babys anzupassen, etwa im Zuge einer Wachstumsphase. Durch häufiges Anlegen werde die Milchbildung angeregt, erklärt das Netzwerk »Gesund ins Leben«. Clusterfeeding ist damit kein Signal dafür, dass die Milch nicht reicht.
Kinderärzte kontrollieren das Gewicht des Neugeborenen in den U-Untersuchungen, um zu prüfen, wie gut es versorgt ist.
Isst die Mutter blähende Lebensmittel, rumort es auch im Darm des Stillkindes? Das muss nicht so sein. Denn Gase und blähende Stoffe wandern nicht über die Muttermilch in den Körper des Kindes. Ein genereller Verzicht auf Hülsenfrüchte, Kohl und Zwiebeln ist daher nicht notwendig.
Dennoch seien Jakob Maske zufolge manche Kinder empfindlich gegenüber bestimmten Lebensmitteln wie etwa Kaffee, Zwiebeln oder Kohl. Sein Tipp: ausprobieren - und beobachten, wie es dem Kind damit geht.
Immer wieder kursiert auch der Tipp, in der Stillzeit Zitrusfrüchte zu meiden. Dass Zitronen, Orangen und Co. für einen wunden Po beim Baby sorgen können, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt, so das Portal »kindergesundheit-info.de« des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
Was in der Stillzeit aber auf jeden Fall tabu ist: Alkohol, Zigaretten und Drogen.