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Erste Hilfe und Narbenpflege

Wunden und Narben richtig pflegen

Um die Wunde vor Umwelteinflüssen zu schützen und um den Heilungsprozess zu unterstützen, empfehlen sich sogenannte hydroaktive, also wasserregulierende (»atmungsaktive«) Wundauflagen, die nach dem Prinzip der feuchten Wundheilung arbeiten. Hydrokolloide gibt es sowohl in fester Form als Pflaster als auch in Form von Gelen (wie Fenistil® Wundheilgel, Bepanthen® antiseptische Wundcreme, Medigel® schnelle Wundheilung, Brand- und Wundgel Medice, Octenisept® Wundgel). Sie haben die Fähigkeit, sowohl Flüssigkeit zu absorbieren (Hydrokolloid-Effekt) als auch zu spenden (Hydrogel-Effekt). Der luft- und feuchtigkeitsdurchlässige Gelfilm schützt, ohne den selbstreinigenden Abfluss des Wundsekretes zu beeinflussen.

Nicht geeignet für das akute Stadium sind fettreiche Salben etwa mit Povidon-Iod oder Dexpanthenol. Unter den fetthaltigen Salbengrundlagen können sich feuchte Kammern bilden, was Infektionen begünstigt. Dexpanthenol-haltige Salben (wie Bepanthen®) kommen dann zum Einsatz, wenn der Wundverschluss bereits eingesetzt hat. Das macht das Gewebe an den Wundrändern elastisch.

Andenken verblassen

Sobald die Wunde weitgehend abgeheilt und schorffrei ist beziehungsweise die Fäden gezogen sind, kann die Narbenpflege beginnen. Viele Präparate sind ausdrücklich auch für die Behandlung älterer Narben geeignet. Wichtig ist in jedem Fall eine konsequente Anwendung mehrmals täglich über mehrere Monate hinweg.

Zusätzlich kann eine regelmäßige Massage des Narbengewebes helfen, optisch bessere Ergebnisse zu erzielen. Allerdings sollte damit erst rund vier Wochen nach dem Wundverschluss begonnen werden. Tipp: Diese auch als Narbenmobilisation bezeichnete manuelle Bearbeitung der Wunde lässt sich gut mit dem Auftragen eines Narbenspezifikums kombinieren. Durch die Massage dringt das Topikum besser in die Haut ein. Auch verschiedene Öl-Formulierungen (zum Beispiel Tribalsam Tricutis, Bi-Oil®, Frei Öl® Pflege-Öl, Kneipp® Bio Hautöl, Narbenpflegeöl Repair & Protect Casida) helfen bei der Narben-Massage.

Silikonhaltige Therapeutika stellen gemäß der Leitlinie die Erstlinientherapie für lineare und flächige hypertrophe Narben dar. Auch in der Prävention überschießender Narbenbildung nach Operationen werden sie zur täglichen Anwendung empfohlen. Silikon-haltige Präparate sind in den unterschiedlichsten Darreichungsformen auf dem Markt: in Form von Gelen (wie Kelo-Cote®, Dermatix® Ultra, Scarsil®, Bepanthen® Narbengel mit Massageroller), Pflastern (wie Cica-Care®, Scar Fx®), Folien (zum Beispiel Epi-Derm®) und Sprays (Kelo-Cote® Spray). Nach dem Auftragen hinterlassen sie einen unsichtbaren, wasserundurchlässigen Film.

Wie genau Silikone wirken, ist nicht gänzlich geklärt. Vermutlich kommt es durch den Okklusionseffekt zu einer verstärkten Hydratisierung der Keratinozyten. Dadurch werden Wachstumsfaktoren beeinflusst, die die Fibroplastenfunktion und die Kollagenproduktion normalisieren können. Die Wirkung ist rein physikalisch, eine Resorption findet nicht statt. Silikon-Zubereitungen finden auch bei hypertrophen Narben und Keloiden Verwendung.

Eines der meist verwendeten Narbentopika ist Contractubex®, in dem Zwiebelextrakt mit Allantoin und Heparin enthalten ist. Auch die Anwendung eines Okklusionsverbandes (Contractubex® Intensivpatch) über Nacht ist möglich. Die Fixkombination vermag die Beschaffenheit sowohl frischer als auch älterer Narben positiv zu beeinflussen; die Deutsche Dermatologische Gesellschaft empfiehlt in ihrer Leitlinie Zwiebelextrakt-haltige Externa zur Behandlung auch hypertropher Narben und zur Prophylaxe überschießender Narbenbildung.

Heparin ist auch einer der Wirkstoffe in Kelofibrase® Sandoz. Die Kombination mit Harnstoff und Campher soll das Narbengewebe weicher und geschmeidiger machen, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessern und die Durchblutung stimulieren. Diese Effekte schreibt man auch einem hypoallergenen Polyurethan-Pflaster zu (Hansaplast® Med Narben Reduktion).

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