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Erste Hilfe und Narbenpflege

Wunden und Narben richtig pflegen

Eine aktuelle Studie bestätigt: Wie gut eine Wunde heilt, ist wesentlich davon abhängig, ob eine korrekte Erstversorgung und anschließende Pflege erfolgen. Wie sieht Hilfe also im Notfall bestenfalls aus? Welche Präparate sind eine gute Empfehlung und helfen beim Wunden lecken?
Elke Wolf
25.05.2020  09:00 Uhr

Eine australische Studie bestätigte kürzlich, dass es sinnvoll ist, bei Verbrennungen oder Verbrühungen umgehend das betroffene Körperteil minutenlang unter fließendes Wasser zu halten. Dies beschleunigt die Wundheilung und eignet sich besonders bei Branntwunden auf Armen und Beinen, schreibt Studienleiterin Dr. Bronwyn R. Griffin von der Universität Queensland in der Fachzeitschrift »Annals of Emergency Medicine«.

Dazu hatte die Forschergruppe 2495 Kinder mit Verbrennungen untersucht. Diejenigen der jungen Teilnehmer, deren Verbrennung mindestens 20 Minuten lang unter handwarmem Wasser gekühlt wurde, benötigten zu 40 Prozent seltener eine Hauttransplantation. Sie mussten zudem zu etwa einem Drittel weniger in der Klinik behandelt werden als Patienten, deren Wunden nicht in der Form gekühlt worden waren. Durch die Wasseranwendung heilten die Wunden schneller, es bildete sich weniger Narbengewebe. Andere Hausmittel, wie Aloe-vera-haltige oder andere kühlende Gele, Kompressen, Zahnpasta, Butter oder Eiweiß schnitten in der Studie deutlich schlechter ab. »Fließendes Wasser ist unmittelbar nach einer Verbrennung am effektivsten, um Gewebeschäden bei allen durch Hitze verursachten Verbrennungen zu verringern. Es gibt Hinweise darauf, dass es bis zu drei Stunden nach dem Unfall noch von Nutzen ist.«

Adhoc-Wundversorgung

Fließendes Wasser gilt auch bei anderen Haut-Verletzungen als beste Erste-Hilfe-Maßnahme. Für eine saubere, nicht infizierte Wunde kommt deshalb nach der Reinigung noch ein Antiseptikum zum Einsatz. Wirkstoffe der ersten Wahl sind Octenidin (wie Octenisept®) und Polihexanid (wie Lavanid® Wundgel, Serasept®). Povidon-Iod/PVP-Iod (wie Betaisodona®, Polysept®) gilt als zweite Wahl.

Octenidin und Polihexanid haben ein breites Wirkspektrum gegen grampositive und -negative Bakterien, Mykobakterien und Pilze und zeigen bislang keine Resistenzen gegen typische Wundkeime. Sehr positiv empfinden die Patienten die schmerzfreie Anwendung der farblosen Zubereitungen. Auch Allergien treten selten auf. Ein Vorteil von Octenidin ist die kurze Einwirkzeit von zwei Minuten, Polihexanid braucht dagegen 15 Minuten.

Bei Octenidin gilt zu beachten: Als Wund- und Schleimhautantiseptikum ist Octenidin nur zur oberflächlichen Anwendung bestimmt und soll mittels Tupfer oder Aufsprühen aufgetragene werden. Für tiefere Wunden ist es nicht geeignet, da der Kontakt tiefer Wunden mit Octenidin das Risiko schwerer toxischer Gewebeschäden birgt. Darauf weisen die Hersteller in Fach- und Gebrauchsinformationen sowie in mehreren Rote-Hand-Briefen hin. In einigen Fällen haben solche Spülungen vor allem bei Kindern zu bleibenden Schäden und Funktionseinschränkungen geführt.

Lokalantibiotika werden zur Desinfektion von unkomplizierten Wunden wegen des Resistenzrisikos nicht empfohlen. Das einzige Lokalantibiotikum, das für die Selbstmedikation kleiner, oberflächlicher Kratz-, Riss- und Schürfwunden mit bakterieller Superinfektion und Verbrennungen ersten Grades zugelassen ist, ist Tyrothricin (wie Tyrosur®Gel). Bislang sind weder Resistenzen noch Kreuzresistenzen bekannt. Das antimikrobielle Peptid auf Hydrogelbasis wird zwei- bis dreimal täglich aufgetragen und bei Bedarf mit einer geeigneten Wundauflage abgedeckt. Ist nach einer Woche keine Besserung eingetreten, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Tyrothricin ist im Gegensatz zu den meisten rezeptpflichtigen Lokalantibiotika gut verträglich, hat ein sehr niedriges Sensibilisierungspotenzial und kann schon bei Säuglingen angewandt werden. Es wirkt schnell antibakteriell, wodurch die körpereigene Wundheilung beschleunigt wird. Ein Effekt, den andere Wundcremes nicht leisten können.

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