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Saison 2018/19

Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs war mäßig

Die Effektivität der Grippeimpfung betrug in der vergangenen Influenza-Saison 21 Prozent, berichtet das Robert-Koch-Institut. Gegen Influenza-A-Viren des Subtyps H3N2 bot sie gar keinen Schutz.
Christina Hohmann-Jeddi
08.10.2019
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Weil sich Grippeviren kontinuierlich verändern, muss die Zusammensetzung der Antigene in der Grippe-Schutzimpfung jedes Jahr neu an die aktuell kursierenden Virusstämme angepasst werden. Die Zusammensetzung bestimmt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Nordhalbkugel in der Regel im Februar. Wie effektiv die saisonalen Impfstoffe dann gegen die im folgenden Winter aktiven Grippeviren schützen, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Die Effektivität der saisonalen Vakzine ermittelt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin daher jedes Jahr neu.

In der vergangenen Grippe-Saison 2018/19, die relativ mild verlief, schützte die Impfung nur etwa jeden fünften Geimpften. Die adjustierte Impfeffektivität lag bei 21 Prozent, heißt es im aktuellen Influenza-Saisonbericht. Dabei zeichneten sich Unterschiede der Wirksamkeit in verschiedenen Altersgruppen ab, die aber nicht signifikant waren. Demnach lag die Effektivität bei den unter 15-Jährigen bei 71 Prozent, während sie bei den 15- bis 59-Jährigen 5 Prozent und den über 60-Jährigen 4 Prozent betrug.

Für die einzelnen Influenza-A-Virusstämme berechnete das RKI die Effektivität getrennt. Gegen eine Influenza-A(H1N1)-Infektion schützte die Impfung mit einer Effektivität von 61 Prozent recht gut. Dagegen bestand gegen eine Infektion mit Influenza-A(H3N2) gar kein Schutz. Die Effektivität fiel mit -28 Prozent sogar negativ aus, was ein tendenziell höheres Erkrankungsrisiko für Geimpfte vermuten lässt. Die schlechte Wirksamkeit der saisonalen Impfung gegen H3N2-Stämme sei schon »in früheren Jahren und in verschiedenen Ländern« beobachtet worden, schreibt das RKI. Hierfür kämen verschiedene Gründe in Betracht. Zum einen verändern sich A(H3N2)-Viren sehr schnell. In der vergangenen Saison habe das dazu geführt, dass verschiedene Gruppen und Subgruppen der A(H3N2)-Stämme kursierten, die nicht alle vom Impfstoff abgedeckt wurden. Bei schlechter Passfähigkeit halte die Wirksamkeit zudem auch kürzer an als bei guter Übereinstimmung.

Zum anderen verändern sich die A(H3N2)-Viren auch bei der sogenannten Ei-Adaptation, wenn der Impfstamm für die Vermehrung in Hühnereiern, die für die Produktion nötig ist, angepasst wird. Das hat zur Folge, dass sich bereits das Hämagglutinin des Impfstoffs von dem Hämagglutinin des empfohlenen Virusstamms unterscheidet. Bei einer Herstellung des Impfstoffs in Säugetierzellen könnte dieses Problem umgangen werden. In diesem Jahr ist mit Flucelvax® Tetra (Seqirus) in Deutschland erstmals ein tetravalenter zellbasierter Grippeimpfstoff verfügbar, für dessen Produktion keine Ei-Adaptation nötig war. Wie gut die aktuellen Impfstoffe vor Grippeerkrankungen schützen, wird im kommenden Jahr berechnet werden. Für diese Saison wurden bis Anfang Oktober bislang rund 17 Millionen Dosen Grippeimpfstoff vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen freigegeben.

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