| Lukas Brockfeld |
| 24.04.2026 10:30 Uhr |
Der Gematik-Geschäftsführer Florian Fuhrmann sprach auf der DMEA über die Steuerung des Gesundheitswesens. / © PZ/Brockfeld
Die Gesundheitsversorgung in Deutschland wird zunehmend komplexer. Gleichzeitig setzt der demografische Wandel das System unter Druck. Die knapper werdenden Ressourcen machen eine bessere Steuerung der Versorgung nötig. Doch wie soll eine solche Steuerung aussehen?
Gematik-Geschäftsführer Florian Fuhrmann verglich das heutige Gesundheitssystem mit einem Orchester, das keinen Dirigenten hat und in dem jeder Musiker spielt, was er will. »Wir haben großartige Ärzte, Apotheker und andere Experten. Aber wir haben verlernt, gemeinsam zu spielen und aufeinander zu hören. Das Ergebnis ist Ineffizienz an vielen Stellen«, erklärte der Gematik-Chef. Inzwischen habe sich im Gesundheitswesen so viel Druck aufgebaut, dass ein Systemwechsel nötig sei.
Die Digitalisierung könne als Katalysator des Wandels fungieren. Doch die veränderungsscheuen deutschen Institutionen würden viele Innovationen verhindern. »Wir hätten alles, was wir für eine erstklassige Versorgung brauchen. Wir haben die Daten, wir haben die Fachkräfte, wir haben die Forschungsstrukturen und wir haben vernünftige Patienten, die bereit wären, sich steuern zu lassen. Aber wir packen unsere Daten in Silos, überlasten unsere Fachkräfte und haben den Patienten noch nicht als aktiven Faktor in der Versorgung erkannt«, klagte Fuhrmann.
Das Gesundheitswesen brauche dringend mehr Steuerung. Doch wer soll diese Aufgabe übernehmen? Florian Fuhrmann nannte drei Möglichkeiten:
Ein in Frage kommender Akteur sei die Politik. Diese sei demokratisch legitimiert und könne Rechts- und Finanzierungssicherheit bieten. Außerdem könne sie die Probleme lösen, an denen die Selbstverwaltung scheitere. »Aber die Politik denkt in Wahlzyklen und trifft nicht immer evidenzbasierte Entscheidungen. Sie kann nur mit Gesetzen und Rechtsverordnungen agieren, sodass sie nur ›one size fits all‹-Lösungen produziert. Der Einzelne ist nicht im Fokus, stattdessen steuert die Politik das Gesamtsystem«, erklärte Fuhrmann.
Die Selbstverwaltung wurde als weiterer möglicher Akteur genannt. Diese habe eine herausragende Expertise in der Gesundheitsversorgung und könne schneller handeln als die Politik. »Doch wenn sich die Vertreter der Selbstverwaltung an einen Tisch setzen, dann werden sie lange diskutieren. Am Ende kommen sie auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, aber nicht unbedingt auf die beste Lösung. Das wäre wie ein Orchester, in dem jede Instrumentengruppe ein Vetorecht hat«, führte der Gematik-Chef aus.
Als drittes steuerndes Element nannte Fuhrmann die Digitalisierung. Diese sei sehr objektiv, gerecht und könne mit ihren Algorithmen schnell Muster und Zusammenhänge erkennen. »Aber ein Algorithmus ist nur so gut wie die Daten, mit denen er gefüttert wurde. Außerdem kommt die Digitalisierung an ihre Grenzen, wenn es um medizinische Intuition geht«, so der Geschäftsführer. Zusätzlich müssten die Anwendungen stark kontrolliert werden und bei den Anwendern auf hohe Akzeptanz stoßen.