| Paulina Kamm |
| 22.04.2026 16:20 Uhr |
Führt eine Digitalisierung der Medizin automatisch zu einer gerechteren Versorgung? Diese Frage stellen Moderatorin Rania Abbas und Moderator Jonah Grütters an das Panel. Von links: Jonah Grütters, Bernd Fiedler, Brenya Adjej, Rania Abbas, Beatrice Aretz und Mertcan Usluer. / © PZ / Paulina Kamm
Moderatorin Rania Abbas leitete die Debatte mit einem persönlichen Beispiel ein, das die Versorgungsrealität vieler Menschen widerspiegelt, die vom »Normpatienten« abweichen: »Sieben bis zehn Jahre – so lange dauert es, bis eine Frau ihre Endometriose-Diagnose bekommt. Bei mir waren es 18 Jahre«, so Abbas. Es sei ein Problem, keine Herausforderung, dass es bei der aktuellen Datenlage an Diversität in vielerlei Richtungen mangele: Gender, Sex, Ethnie und Herkunft.
Brenya Adjej, Geschäftsführerin der Gematik, bringt das Problem auf den Punkt: »Unser Gesundheitssystem ist zwar leistungsstark, aber historisch gesehen nicht gendergerecht.« Sie erhoffe sich, dass dies durch die Datensammlung in der elektronische Patientenakte (ePA) und durch Frauen in Forschung, Technologie und Führungsetagen geändert werden kann. Einige afrikanische Länder haben laut Adjej gezeigt, dass Digitalisierung zu Empowerment führen kann.
Auch Bernd Fiedler von Siemens Healthineers ist optimistisch: »Die Daten, die wir in Zukunft zur Verfügung haben werden, werden die Bias, die wir haben, hoffentlich ausspielen. Der zweite Grund, warum ich optimistisch bin, ist, dass wir nicht nur bessere Daten haben, sondern auch genauer hinsehen«, so Fiedler. Grundsätzlich vertrete er die Position, dass beispielsweise hinsichtlich Opt-Outs Geschlecht im Gegensatz zu Region und politischer Einstellung eine vernachlässigbare Rolle spiele.
Fiedler räumt bereits zu Beginn ein, dass eine gerechtere Versorgung gewisse Grundvoraussetzungen brauche. Technik müsste »richtig« genutzt werden. Auch Algorithmen müssten von den »richtigen« Menschen definiert werden. Diese Menschen müssten sich die »richtigen Fragen« stellen, um eine gendergerechte Versorgung aufzubauen, so Fiedler.