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BMG-Digitalchef Ludewig

»Wir haben das E-Rezept nicht für Versandapotheken gemacht«

Wenn die Arzneimittelversorgung in Zukunft digitaler wird, kann das nur von Vorteil für Patienten und Leistungserbringer sein. Davon ist Gottfried Ludewig überzeugt. Aus Sicht des Abteilungsleiters Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist die Apothekerschaft für diese Zukunft bereit.
Jennifer Evans
09.10.2020  09:00 Uhr

Es überrascht kaum, dass Ludewig im Interview mit der PZ erst einmal für die Vorteile der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen warb. Angesprochen darauf, ob es in seinen Augen auch Bereiche gibt, die einfach nicht digitalisierbar sind, antwortete er: »Es geht nicht darum, den Apotheker zu ersetzen, sondern ihm zu helfen, seine Arbeit besser machen zu können.« Ziel muss es seiner Auffassung nach sein, dass Heilberufler durch digitale Prozesse mehr Zeit für die Versorgung ihrer Patienten gewinnen. Demzufolge erachtet er die Technologie als Ergänzung für den heilberuflichen Alltag.

Hat der BMG-Digitalchef aber nun Verständnis für die Ängste der Apotheker, wenn es um diesen Transformationsprozess geht? »Ja, ich verstehe die Sorgen«, gab Ludewig zu. »Das Schlimmste aber ist, Fortschritt abzulehnen. Denn der findet sowieso statt.« Viel entscheidender sei es, die Zukunft mitzugestalten, um sich nicht Konzepte von außen überstülpen zu lassen. Nach Ludewigs Ansicht muss sich der Berufsstand aber keine Gedanken machen. »Ich nehme die Apotheker als eine hochdigitalisierte Branche wahr, die Interesse an Digitalisierung hat«, hob er hervor. Für ihn seien die Pharmazeuten »eine vorwärts gewandte Berufsgruppe«. Außerdem sollten sie immer im Hinterkopf behalten, dass es im Interesse des BMG ist, mit »etablierten Playern aus Deutschland« in die digitale Zukunft zu gehen.

Keine Angst vorm E-Rezept

Aus dem Grund gibt es für Ludewig auch keinen Grund, sich wegen des E-Rezepts den Kopf zu zerbrechen. »Wir machen es nicht für die Versandhandelsapotheken, sondern als Grundlage für eine bessere Versorgung«, betonte er. Natürlich sei jede Neueinführung zunächst eine Umstellung, weil sie Mehraufwand bedeute. »Doch dann macht sie das Leben leichter«, versprach er. Er sieht in der elektronischen Verordnung einen entscheidenden Mehrwert. Zum einen denkt er da an die 700 Millionen ausgedruckten Papierrezepte pro Jahr (BtM-Rezepte nicht eingerechnet), die eingespart werden. Und zum anderen wird in seinen Augen auch die Abgabe von Arzneimitteln sicherer, weil etwa keine Unklarheiten mehr aufgrund der Handschrift des Arztes entstehen. Zudem gebe das E-Rezept Aufschluss über mögliche Neben- oder Wechselwirkungen der Medikamente. »Es ist ein Sprung nach vorne«, so Ludewig. Auch für die Patienten, die künftig auf eine präzisere Behandlung hoffen dürften. Und Deutschland könne darüber hinaus unnötige Todesfälle aufgrund von Fehlmedikationen vermeiden.

Allerdings erwähnte Ludewig im PZ-Interview auch, dass derzeit noch nicht so viele Apotheker an die Telematik-Infrastruktur (TI) angebunden sind, wie er sich das gewünscht hätte. »Da ist noch Luft nach oben.« Eigentlich sollten die Offizinen bis Ende September 2020 an die digitale Datenautobahn angeschlossen sein, die für die Vernetzung der Akteure im Gesundheitssystem sorgt. Sollte der Gesetzgeber feststellen, dass die Anschlusszahlen bis Ende des Jahres noch immer nicht nach oben gegangen sind, muss er natürlich »dazu motivieren«, so der BMG-Digitalchef. Dass den Apotheken aber Sanktionen drohen, glaubt er nicht. »Das wäre immer das letzte Mittel.« Viel entscheidender für Ludwig ist ohnehin, dass die Apotheken den Willen mitbringen, sich an die TI anzuschließen. 

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