| Christina Hohmann-Jeddi |
| 19.06.2026 18:00 Uhr |
Regelmäßiger Sport sorgt Studien zufolge für einen besseren Tag-Nacht-Rhythmus und einen erholsameren Schlaf / © Getty Images/Prostock-Studio
Die wechselseitige Beziehung zwischen Sport und Schlaf stellt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in den Mittelpunkt ihres diesjährigen Aktionstags »Erholsamer Schlaf« am 21. Juni. »Wer regelmäßig Sport macht, schläft in der Regel schneller ein und schläft besser und länger als weniger aktive Menschen«, berichtete Dr. Christian Veauthier von der Charité Berlin und dem Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum Lutherstadt Wittenberg bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Aktionstages. »Andererseits verbessert der gute Schlaf auch die Leistung tagsüber beim Sport und die Erholung danach.«
Das gelte für Gesunde gleichermaßen wie für Personen mit Schlafstörungen, wobei der Sport bei Letzteren keine schlafmedizinische Therapie ersetzen kann. Besonders positiv wirken sich Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen aus – auch als aerobes Training bekannt. Doch auch Krafttraining, Intervall- oder High-Intensity-Training (HIT) wirken schlaffördernd.
Dabei stelle sich häufig die Frage, ob man abends – kurz vor dem Schlafengehen – noch Sport machen sollte. »Ausdauersportarten sind in der Regel gar kein Problem«, sagte Veauthier. Zwischen der körperlichen Aktivität und dem Schlafengehen sollte man aber eine Stunde Abstand halten. Intensive Übungen wie Krafttraining oder HIT könnten bei einzelnen Personen das Einschlafen verzögern; das sei aber individuell unterschiedlich. Wettkampfstress könne sich auch eher negativ auf das Einschlafen auswirken. »Manche Studien sprachen davon, dass man bis zu fünf Stunden Abstand zwischen sehr intensiven Sporteinheiten und dem Schlafengehen einhalten soll«, so Veauthier.
Wie kommen diese Zusammenhänge zustande? Klar, nach dem Training ist man müde, doch ganz so einfach erklärt sich der schlaffördernde Effekt von Sport nicht. Man müsse die hormonellen Reaktionen des Körpers betrachten, so der Schlafmediziner. Bei körperlicher Aktivität wird Energie verbraucht, es werden aber auch Katecholamine wie Adrenalin oder Noradrenalin freigesetzt. In der Folge werden auch Energiehaushalt-regulierende Hormone wie Insulin und Glucagon unterschiedlich bereitgestellt: Die Insulinfreisetzung wird gedrosselt und die Glucagonausschüttung verstärkt.
Beim Sport stimuliert der Hypothalamus die Hypophyse dazu, vermehrt Cortisol auszuschütten, um die erforderliche Leistung erbringen zu können. »Das Stresshormon schiebt den Stoffwechsel an, um noch mehr Energie freizusetzen.« Auch aus dem Muskel werden Botenstoffe freigesetzt. Bei Menschen, die regelmäßig Sport machen (mindestens dreimal pro Woche), werden diese Reaktionen vereinfacht abgerufen, die Cortisolkurve wird besser reguliert, was letztlich zu einem besseren Tag-Nacht-Rhythmus führt. »Sie sind tagsüber wacher und haben nachts einen längeren Schlaf und auch mehr Tiefschlaf«, sagte Veauthier.