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Millionen-Dollar-Frage
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Wie sollten künftige Covid-19-Impfstoffe beschaffen sein?

Während sich die Welt auf eine weitere Corona-Welle vorbereitet, die von den Varianten BA.4 und BA.5 befeuert wird, werden die Rufe nach einer Aktualisierung der Covid-19-Impfstoffe immer lauter. Aber über eine Strategie, wie man künftige Impfstoffe entwickeln sollte, herrscht keinesfalls Konsens.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 28.06.2022  18:00 Uhr

Die Millionen-Dollar-Frage

Wie man einen solchen idealen Impfstoff entwickeln soll, ist die Millionen-Dollar-Frage. Moderna ebenso wie das Firmenkonsortium Biontech/Pfizer haben Zulassungsanträge für modifizierte Impfstoffe bei den amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörden eingereicht. Sie enthalten mRNA der Spike-Proteine für die Wuhan-Variante und die Omikron BA.1-Variante.

Diese Impfstoffe stellen zweifelsohne einen Fortschritt dar, wie jetzt auch erste publizierte Daten zeigen. Allerdings fragt Professor Dr. John Moore, ein Impfstoffwissenschaftler am Weill Cornell Medical College in New York City, ob diese Verbesserungen einen Umstieg auf neue Impfstoffe rechtfertigen. »Die Frage, über die sich die FDA-Berater entscheiden müssen, lautet, ob diese bescheidene Erhöhung der Immunantwort ausreicht, um die Kosten und die Komplexität eines Wechsels der Zusammensetzung zu rechtfertigen.«

Verschiedene Stämme und Impfstoffarten kombinieren

Beigel und Kollegen vom NIAID werden in Kürze die ersten Ergebnisse einer NIAID-finanzierten Studie vorlegen, in der Kombinationen von Impfstoffen auf der Grundlage einer Reihe von Varianten getestet werden, darunter Omikron, Beta, Delta und der ursprüngliche Stamm. Diese Studie mit dem Namen COVAIL umfasst mRNA-Impfstoffe, die von Moderna und Biontech/Pfizer hergestellt werden, sowie einen experimentellen Booster auf Proteinbasis, der von Sanofi in Paris und GSK in London entwickelt wurde.

Auch das Konsortium Sanofi-GSK meldete kürzlich Daten, nach denen ein Booster mit einem Impfstoff, der auf der Beta-Variante basiert, starke neutralisierende Antikörperreaktionen gegen alle Varianten, einschließlich BA.1 und Delta, auslöst. Dies deutet an, dass Beta als Bestandteil künftiger Aktualisierungen nicht ausgeschlossen werden sollte, so die Wissenschaftler.

Vorhersage schwieriger als bei Grippe

Die Suche nach einer aktualisierten Formulierung wird auch durch die Möglichkeit erschwert, dass Impfstoffe, die auf einem bestimmten Stamm wie Omikron basieren, nicht immer eine starke Immunantwort gegen diesen Stamm auslösen. Immer noch steht das Problem der frühen Prägung des Immunsystems im Raum, obwohl sich die Anzeichen mehren, dass dieses Problem für SARS-CoV-2 nicht so groß ist, wie befürchtet.

Man kennt das Problem der immunologischen Prägung von den Influenza-Impfungen. Dennoch versuchen die Gesundheitsbehörden, die Zusammensetzung der saisonalen Impfstoffe auf die Stämme abzustimmen, die am ehesten im Umlauf sein werden.

Diese Strategie ist auch bei SARS-CoV-2 sinnvoll, sagt Professor Dr. Jesse Bloom, ein Evolutionsbiologe am Fred Hutchinson Cancer Center in Seattle in Washington. »Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein Impfstoff, der dem zirkulierenden Virus so nahe wie möglich kommt, im Allgemeinen besser ist.«

Entscheidungen über die Zusammensetzung von Grippeimpfstoffen beruhen jedoch auf einem soliden Verständnis der Entwicklung dieser Viren, sagt Beigel – etwas, das die Forscher für SARS-CoV-2 noch nicht ausreichend haben. »Wir kennen die Regeln der Grippe und können sie sehr gut vorhersagen. Für Covid wissen wir das nicht.«

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