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Arzneimittel-Versorgung
Wie lassen sich Lieferengpässe lösen?

Wo kommen die Wirkstoffe her?

Zudem brauche es weltweit und von allen Seiten mehr Transparenz und mehr Qualitätskontrollen. Das USP arbeite an einem Informationssystem zu den Lieferketten. Denn oft ist der Zulassungsinhaber nicht der Hersteller. Oft wissen weder die Arzneimittelbehörden oder der Zulassungsinhaber selbst nicht auf Anhieb, von welchem Subunternehmen von wo auf der Welt sie ihre Ausgangsstoffe beziehen. »Wir wissen meist weder, wie viele Hersteller es von Wirkstoffen gibt, noch wo und wie viel sie produzieren«, beklagte Piervincenzi. Die Lieferanten wechselten zum Teil monatlich.

Hier brauche es dringend eine verpflichtende Abbildung der gesamten Lieferkette. Das USP arbeite derzeit daran, solche Karten für die USA zu erstellen. So gebe es beispielsweise 24 zugelassene Hersteller für Dexamethason-haltige Fertigarzneimittel und neun registrierte Wirkstoffhersteller. 

Denn wenn man weiß, wo ein Ausgangsstoff hergestellt wird, kann man schneller reagieren, zum Beispiel bei einem Fabrikunglück in Indien oder wenn wie vor zwei Jahren beim Valsartan-Skandal Verunreinigungen bei einem Wirkstoffproduzenten in China auftreten. Wochenlang war unklar, welche Fertigarzneimittel letztlich betroffen sein könnten, denn oft konnten die Zulassungsinhaber nicht sofort sagen, von wo sie ihren Wirkstoff hatten.

Den Apothekern riet Piervincenzi, mehr Transparenz auf allen Ebenen einzufordern und ermahnte zugleich größere Apothekenketten oder Krankenhausapotheken, sich bei Vertragsabschlüssen mit Pharmafirmen länger zu binden und nicht nur auf die Kosten zu schauen. »Für mehr Sicherheit muss man nun einmal mehr zahlen«, so sein Fazit.

Zumindest was die Auswahl von Wirkstofflieferanten angeht, könne es in Zukunft eine Entzerrung geben, macht Piervincenzi zum Schluss noch Hoffnung. Gelten bislang vor allem Indien und China als Hauptproduzenten, werde es in den kommenden Jahren immer mehr GMP-zertifizierte Produktionsstandorte auch in Pakistan, Nigeria, Indonesien, Südafrika und Äthiopien geben.

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