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Obergrenze

Wie lange Menschen leben könn(t)en

In Industrienationen klettert die durchschnittliche Lebenserwartung seit Jahren immer weiter nach oben. Forscher streiten darüber, ob sich dieser Trend unbegrenzt fortsetzen wird. Viele halten 120 bis 150 Jahre für das maximal erreichbare Lebensalter eines Menschen.
Annette Rößler
17.11.2021  07:00 Uhr

969 Jahre: So alt wurde laut der Bibel der älteste Mensch, Methusalem. Wenig später begrenzte Gott die Lebenszeit des Menschen allerdings auf 120 Jahre. Während das biblische Alter von Methusalem aus naturwissenschaftlicher Sicht unrealistisch hoch erscheint und auch von den meisten Theologen allegorisch statt wörtlich genommen wird, stimmt die zweite Zeitangabe mit neueren Forschungsergebnissen zumindest grob überein. Eine Reihe von Wissenschaftlern vertritt nämlich die Auffassung, dass es für das maximal erreichbare Lebensalter des Menschen eine natürliche Obergrenze gibt. Sie soll laut jüngsten Schätzungen bei 120 bis 150 Jahren liegen.

Jeanne Calment, die von 1875 bis 1997 lebte, drang als Mensch mit dem bislang längsten dokumentierten Lebensalter von 122 Jahren bereits in diese Regionen vor. Menschen wie sie, die das 110. Lebensjahr vollendet haben, werden als Supercentenarians bezeichnet; Hundert- bis Hundertneunjährige nennt man Centenarians. Obwohl das Erreichen eines so hohen Lebensalters bei Weitem noch nicht die Regel ist, wird die Gruppe der Hochbetagten in Deutschland seit Jahren immer größer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2020 hierzulande 20.465 Menschen 100 Jahre alt und älter.

Diesen Trend sieht man auch in anderen Industrienationen. Dort ist der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung heutzutage vor allem darauf zurückzuführen, dass es immer mehr sehr Alte gibt und nicht mehr, wie früher, dass die frühkindliche Sterblichkeit zurückgeht. In Deutschland hat das Auftauchen von Covid-19, an dem 2020 vor allem alte Menschen starben, dazu geführt, dass die Lebenserwartungim vergangenen Jahr nicht weiter gestiegen ist. Im besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesland Sachsen sank sie sogar.

Wie man an diesem Beispiel sieht, kann die durchschnittliche Lebenserwartung auch kurzfristigen Einflüssen unterworfen sein. Dagegen wird das höchste erreichbare Lebensalter als eine für die jeweilige biologische Art feststehende Größe angesehen. Für Homo sapiens besonders spannend ist dabei die Frage, ob das für ihn auch zutrifft – schließlich gelingt es Menschen mit pharmakologischen Mitteln bereits jetzt, Todesfälle zu verhindern.

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