| Laura Rudolph |
| 13.03.2026 18:00 Uhr |
»Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs setzt sich seit 2018 für ein ›Right to be forgotten‹ ein«, sagte die Hämatologin. Das Recht auf Vergessenwerden ermöglicht es Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, dass diese frühere Diagnose nicht mehr dauerhaft gegen sie verwendet werden darf – etwa bei Krediten, Versicherungen oder anderen Vertragsabschlüssen. Nach einer festgelegten Zeitspanne (meist fünf oder zehn Jahre) dürfen Versicherer oder Banken die frühere Krebserkrankung nicht mehr abfragen oder berücksichtigen, sodass Betroffene die gleichen Chancen haben wie Menschen ohne Krebsanamnese.
In Europa ist dieses Recht bereits in neun Ländern verankert: Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Rumänien, Slowenien und Spanien. »Es geht darum, Menschen nach Krebs endlich die gleichen Chancen zu geben wie allen anderen«, betonte Hilgendorf.
Neben politischen und strukturellen Lösungen spielt auch der individuelle Umgang mit der Erkrankung eine Rolle. Eine wichtige Fähigkeit, um sich an veränderte und widrige Lebensumstände anzupassen, ist Resilienz. Dieser Begriff kommt ursprünglich aus der Materialwissenschaft und beschreibt die Fähigkeit eines Körpers, nach Belastung wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren, etwa wie ein knautschbarer Spülschwamm, erläuterte Professor Dr. Michèle Wessa vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz.
»Durch äußere Stressoren wie schwerwiegende, traumatische Ereignisse verformt sich auch der Mensch. Es ist aber klar, dass dieser Vergleich hinkt – denn natürlich geraten wir nach schwerwiegenden Krisen nicht einfach in unseren Ursprungszustand zurück. Aber sehr wohl können wir in einen Zustand zurückkehren, der es uns ermöglicht, ein gutes und gesundes Leben zu führen und eine hohe Funktionalität zu wahren«, erklärte die Expertin. Wessa betonte, dass Resilienz nicht angeboren, sondern ein dynamischer Anpassungsprozess und trainierbar sei.
Eine zentrale Rolle für die Resilienz spielten Mechanismen wie Emotionsregulation, wahrgenommene Kontrolle oder der Umgang mit Unsicherheit. »Wenn wir verstehen, was Menschen gesund hält, können wir gezielt Präventionsprogramme entwickeln, die Resilienz stärken.« Trotz guter Daten zur psychischen Gesundheit nach einer Krebsdiagnose fehle es noch an Studien zu Stressoren, Schutzfaktoren und langfristigen Resilienzverläufen. Ziel aktueller Forschung ist es daher, diese Prozesse besser zu verstehen und daraus evidenzbasierte Präventions- und Unterstützungsprogramme zu entwickeln.