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Wie gut erkennen neue Bluttests Krebs?

Hier merkt Sonja Loges an, dass in der Studie allerdings eine große Zahl von Menschen aus der gesunden Kontrollgruppe aufgrund von Begleiterkrankungen ausgeschlossen wurde. Bestimmte andere Erkrankungen könnten indes ebenfalls Veränderungen der Methylierungen bewirken. «So bleibt ein Fragezeichen: Wäre der Test häufiger falsch positiv ausgefallen, hätte es mehr Menschen in der Gruppe ohne Krebs, aber mit Erkrankungen der gleichen Organsysteme gegeben?»

Um derartige Fragen auszuräumen, halten Loges und Sültmann größere Populationsstudien für nötig. Tatsächlich kündigen die Autoren ein breit angelegtes Pilotprojekt in Kooperation mit dem Staatlichen Gesundheitsdienst von Großbritannien (NHS England) sowie drei weitere US-Studien an.

Unabhängig davon bietet das Unternehmen, welches den Test entwickelt und die Studien finanziert hat, «Galleri» bereits auf seiner Website in den USA an – ein Schritt, den die beiden deutschen Experten für verfrüht halten. Holger Sültmann sieht beispielsweise die Gefahr, eine falsche Sicherheit zu suggerieren: «So gut und fortschrittlich die Studie gemacht ist, bedeutet solch ein Test natürlich immer nur eine Momentaufnahme. Das berührt ein grundsätzliches Problem: Wann ist der beste Zeitpunkt für ein solches Screening und wie oft muss es durchgeführt werden?» Wolle man ein solches Testverfahren bevölkerungsweit anbieten, stelle sich zudem die Kostenfrage.

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