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Wie gut erkennen neue Bluttests Krebs?

Die Trefferquote variierte allerdings je nach Erkrankungsstadium erheblich. So lag etwa die Sensitivität auf alle Krebsarten gesehen bei 16,8 Prozent im frühen Stadium I, 40,4 Prozent im Stadium II, 77 Prozent im Stadium III und 90,1 Prozent im am weitesten fortgeschrittenen Stadium IV. Über alle vier Stadien hinweg erkannte der Test in 51,5 Prozent der Fälle korrekt, wenn Krebs vorhanden war.

Für Holger Sültmann, Leiter der Abteilung Krebsgenomforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum, sind diese Unterschiede nicht überraschend: «Kleine Tumore in frühen Krebsstadien geben in der Regel weniger DNA ins Blut ab und nur diese wird mit dem Test gemessen.» Je weiter fortgeschritten das Stadium, umso mehr steige die Sensitivität, also die Möglichkeit, den Krebs zu erkennen.

Besondere Chance für Krebsarten ohne Screening-Option

Eine weitere Varianz zeigte sich bei den unterschiedlichen Krebsarten. So war der Test besonders zuverlässig für einige Erkrankungen, für die es bislang keine Screening-Optionen gibt. Für solide Tumoren aus diesem Bereich, etwa Speiseröhren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, lag die Gesamtempfindlichkeit bei 65,6 Prozent. Die Sensitivität bei Krebserkrankungen des Blutes ergab 55,1 Prozent. Im Vergleich dazu betrug diese bei soliden Tumoren infolge von Brust-, Darm-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs nur 33,7 Prozent.

«Wahrscheinlich geben diese Tumore weniger DNA ins Blut ab», vermutet Medizinerin Loges. «Zudem gibt es für das Prostata- oder Mammakarzinom gut etablierte Früherkennungsmethoden, so dass die entsprechenden Patienten in der Studiengruppe vielleicht ein frühes Tumorstadium hatten.» Sowohl Loges als auch Sültmann loben die Spezifität des Tests. Sie beschreibt, ob gesunde Menschen auch als gesund erkannt werden. «Die Autoren geben diese mit 99,5 Prozent an – wenn sich das in größeren Validierungsstudien bewahrheitet, wäre das ein großartiger Befund», kommentiert Biochemiker Sültmann. Frühere Bluttests hätten in dieser Hinsicht wesentlich schlechter abgeschnitten. Eine hohe Spezifität sei wichtig, um eigentlich Gesunden unnötige Folgediagnostiken zu ersparen.

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