Bei der Etablierung von Medikationsanalysen in Heimen ist noch Luft nach oben. / © Getty Images/Morsa Images
Die Masterarbeit von Minna Ong, Apotheke Einswarden in Nordenham, entstand in Zusammenarbeit mit der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie am Universitätsklinikum Heidelberg.
Ziel war es, Barrieren und Förderfaktoren bei der Etablierung der erweiterten Medikationsberatung in Pflegeeinrichtungen zu identifizieren. Zunächst erfasste Ong, wie bekannt und relevant der Begriff der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und wie bekannt die pharmazeutische Dienstleistung »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« im Versorgungskontext der Pflegeeinrichtungen war. Abschließend bewertete sie Barrieren und Förderfaktoren.
Für die Studie befragte Ong die verschiedenen Zielgruppen im Medikationsanalyseprozess: 47 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, 30 Angehörige, 13 Ärztinnen und Ärzte, 44 Pflegekräfte sowie acht Apothekerinnen und Apotheker in vier unterschiedlichen Versorgungssettings mithilfe strukturierter Fragebögen. Die Settings unterschieden sich insbesondere im Verhältnis zwischen öffentlicher Apotheke und Pflegeeinrichtung, etwa, ob diese bereits zusammenarbeiteten oder nicht.
Die Fragebögen basierten auf dem wissenschaftlichen Rahmenmodell des »Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR)«, das Hemm- und Förderfaktoren bei der Einführung neuer Vorgehensweisen bewertet. Ong erfasste damit systematisch Barrieren und Erfolgsfaktoren der erweiterten Medikationsberatung in Pflegeeinrichtungen. Die Fragen bezogen sich dabei auf demografische Angaben, die Medikationsanalyse im Allgemeinen sowie auf AMTS. Beispielsweise wurden vorhandene Ressourcen und der erwartete Nutzen der Dienstleistung abgefragt.
Die Befragung zeigte, dass auf vielen Ebenen unterschiedlich stark ausgeprägte Barrieren und Förderfaktoren bestehen. Sowohl zwischen den Zielgruppen als auch innerhalb der Settings konnten Unterschiede festgestellt werden. Interessant war das Ergebnis, wie bekannt die Medikationsanalyse überhaupt ist. Es gaben zwar 100 Prozent der Apotheker, aber nur 46,1 Prozent der Ärzte, 22,7 Prozent der Pflegefachpersonen, 4,3 Prozent der Bewohner sowie 18,2 Prozent der Angehörigen an, das Angebot zu kennen.
Die Motivation, sich am Medikationsanalyseprozess zu beteiligen, wurde mithilfe einer zehnstufigen Likert-Skala ermittelt (1 = kein Interesse, 10 = sehr interessiert). Bei Pflegekräften betrug der Mittelwert 7,5 (Standardabweichung: 2,6), bei Apothekern 8,5 (Standardabweichung: 1,7). Auch bei den Angehörigen war die Motivation hoch. Die Bewohner zeigten dagegen eher weniger Interesse an einer Medikationsanalyse. Die niedrigsten Werte wurden jedoch mit durchschnittlich 3,5 Punkten auf der Likert-Skala bei den Ärzten ermittelt (Standardabweichung: 2,9).
Abbildung 1: Förderfaktoren der Medikationsanalyse im Spinnendiagramm. Je häufiger ein Förderfaktor von der jeweiligen Berufsgruppe als Antwort ausgewählt wurde, desto weiter ist der jeweilige Punktschätzer vom Zentrum entfernt. / © PZ-Grafik/Pfeifer
Viele Barrieren traten somit bereits im Vorfeld der Medikationsanalyse auf, bevor diese in Anspruch genommen wurde. Auch Zeit- oder Personalmangel und Barrieren innerhalb der Zielgruppen sowie eine mangelnde intrinsische Motivation der Empfänger des Angebots waren große Hindernisse.
Als Förderfaktoren wurden der Nutzen der Medikationsanalyse und die Möglichkeit eines fachlichen Austauschs gesehen (Abbildung 1). Positiv anzumerken ist, dass sich mehrheitlich alle Berufsgruppen wünschten, die erweiterte Medikationsberatung prinzipiell in Pflegeeinrichtungen einzuführen.

Apothekerin Minna Ong / © privat
»Für eine erfolgreiche Etablierung der Medikationsanalyse in Pflegeeinrichtungen ist ein Zusammenspiel aller beteiligten Akteure im Prozess erforderlich.«
Die Ergebnisse zeigten, dass bei den Ärzten und Bewohnern mehr Barrieren als Förderfaktoren bei der Implementierung der Medikationsanalyse vorhanden sind. Auch wenn die Ergebnisse darauf hindeuten, dass bei den Pflegekräften mehr Förderfaktoren als Barrieren vorhanden sind, ist zu berücksichtigen, dass von den Pflegekräften keine Angaben zu möglichen Barrieren gemacht wurden.
Bei der Apothekerschaft und den Angehörigen hingegen schien es mehr Förderfaktoren als Barrieren zu geben. Hieran könnte man anknüpfen und die Angehörigen mehr in den Prozess miteinbeziehen, schlussfolgert Ong.
Externe Barrieren wie Zeit- und Personalmangel können Apotheker in der Regel nicht auf individueller Ebene überwinden. Die Beseitigung erfordert vielmehr die Unterstützung übergeordneter Institutionen, die beispielsweise die strukturellen Rahmenbedingungen der beteiligten Berufsgruppen verbessern und die pharmazeutischen Dienstleistungen mit all ihren Vorteilen bundesweit kommunizieren.