Nostalgie entzaubert: Den Namen führte meist erst das Haus – und nicht die Apotheke. Hier die Löwen-Apotheke im Fontanehaus in Neuruppin. / © Imago Images/Joko
Seit dem Jahr 1951 sind deutsche Apotheken am roten Apotheken-A zu erkennen. Viele von ihnen tragen zusätzlich eigene Namen – wie etwa Adler-Apotheke, Löwen-Apotheke oder Marien-Apotheke. In Süddeutschland sind die Stadtapotheken verbreitet, in Norddeutschland die Ratsapotheken. Beide Namen verweisen auf die Ursprünge dieser Betriebe als öffentlich-städtische Institutionen und ein damit einhergehendes spezielles Rechtsverhältnis. Sie wurden meist bereits im 15. Jahrhundert gegründet.
Paracelsus- und Hippokrates-Apotheken hingegen berufen sich auf historische Persönlichkeiten aus Pharmazie- und Medizingeschichte – eine recht junge Variante der Namensgebung. Und eine Richard-Wagner-Apotheke heißt meist so, weil sie sich in einer gleichnamigen Straße befindet. Der Name dient hier eher der Standortbestimmung. Das gilt für den Großteil der Apothekennamen in Deutschland. Dazu zählen Bezeichnungen wie »Apotheke am Markt«, »Apotheke im Rewe-Center«, »Apotheke an der Hauptpost« oder auch eine »Brunnenapotheke« – selbst wenn der Brunnen längst nicht mehr existiert. Diese Art der Bezeichnung ist die weitaus älteste. Sie dient der Verortung in der Topografie einer Stadt, bevor es Hausnummern, Straßennamen, Karten und Navigationsgeräte gab.
Ungewöhnlicher als jene Namen, die sich von Lage oder Funktion ableiten lassen, sind solche aus dem Reich der Tiere und Legenden. Wie kam es zu solch geheimnisvollen, mittelalterlich anmutenden Benennungen nach Fabelwesen, Wildtieren, Engeln oder Heiligen? Eigentlich begann alles im Spätmittelalter mit der Namensgebung für Häuser in großen Städten, ausgehend von Basel und vor allem Köln. Was heute kaum noch bekannt ist: im 12. Jahrhundert war Köln mit etwa 50.000 Einwohnern zeitweise die größte Stadt Europas, größer noch als Paris oder London – seinerzeit eine echte Metropole.
Die frühesten Häusernamen sind in Köln um das Jahr 1150 belegt, wie beispielsweise das Haus »Zum Bären«, mit steinernem Hauszeichen in Bärenform. Sie dienten der Orientierung und Unterscheidung. Erst im 17. Jahrhundert war die Vergabe von Häusernamen so weit fortgeschritten, dass in manchen Regionen fast jedes Haus im Stadtkern einen eigenen Namen besaß. Die Hausnummerierung, wie wir sie heute kennen, erfolgte erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts nach französischem Vorbild.
Die Motive für die Häusernamen, die auf Holzschildern, Steinmetzarbeiten oder Fresken an der Fassade häufig bildlich dargestellt waren, entstammen dem Formenrepertoire der mittelalterlichen Heraldik. Dazu gehören Wild- und Fabeltiere, aber auch Marien-, Stern- und Heiligenfiguren. Besonders beliebte Wappenmotive wie Adler, Löwe oder Hirsch ergänzte man zur besseren Unterscheidung durch heraldische Farben: rot, weiß, schwarz oder gold.