| Laura Rudolph |
| 25.03.2026 15:00 Uhr |
In einer Beobachtungsstudie zeigten sich teils noch acht Jahre nach einer Antibiotikatherapie Veränderungen der Darmflora. / © Getty Images/Oleksandra Troian
Antibiotika können das Darmmikrobiom zum Teil über Jahre verändern und die Vielfalt der Bakterien dezimieren, wie die Autoren einer Beobachtungsstudie aus Schweden berichten. Die Ergebnisse sind kürzlich im Fachjournal »Nature Medicine« erschienen. Dabei wirkten sich unterschiedliche Wirkstoffe unterschiedlich stark auf das Mikrobiom aus.
Für die Untersuchung analysierte ein Team um Gabriel Baldanzi von der Universität in Uppsala die bakterielle Zusammensetzung in Stuhlproben von 14.979 Personen. Die Befunde verknüpften sie mit Daten aus dem schwedischen Arzneiverordnungsregister und konnten so zuordnen, wer in den vergangenen acht Jahren vor Probenahme Antibiotika erhalten hatte. Dies waren rund 70 Prozent der beobachteten Personen. Ausgeschlossen wurden Teilnehmer, die innerhalb der letzten 30 Tage vor der Stuhlprobe ein Antibiotikum eingenommen hatten.
Das Forschungsteam nutzte statistische Modelle, um zu prüfen, wie verschiedene Antibiotika mit der Zusammensetzung des Darmmikrobioms zusammenhingen. Dabei berücksichtigten sie mögliche Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Body-Mass-Index, Begleiterkrankungen und Polypharmazie. Außerdem filterten sie die Auswirkungen anderer Arzneimittel heraus, die ebenfalls das Mikrobiom beeinflussen können – etwa Protonenpumpeninhibitoren, Metformin, SSRI, Statine, Betablocker und Antipsychotika.
Die Studie zeigte, dass die Diversität des Mikrobioms vor allem nach dem ersten und zweiten Behandlungszyklus im Beobachtungszeitraum sank. Jede weitere Antibiotikabehandlung drängte die Artenvielfalt noch weiter zurück, aber weniger stark als die vorherigen.
Die größten Effekte wurden bei Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin beobachtet. Eine Clindamycin‑Therapie innerhalb eines Jahres vor der Stuhlprobe wurde mit 47 weniger bakteriellen Arten assoziiert – ein außergewöhnlich starker Effekt. Fluorchinolone und Flucloxacillin waren mit einem Rückgang um 20 beziehungsweise 21 Bakterienarten pro Behandlungszyklus verbunden. Diese Einflüsse zeigten sich teilweise sogar noch im Zeitraum von ein bis vier Jahre oder vier bis acht Jahre nach der Einnahme – also lange, nachdem die Therapie abgeschlossen war.
Interessanterweise zeigten manche Antibiotika keinen langfristig messbaren Einfluss auf die Diversität, darunter Amoxicillin. Die Forschenden vermuten, dass dies mit dem eher seltenen Einsatz in Schweden zusammenhängen könnte.
Die Forschenden beobachteten auch, wie lange der Darm brauchte, um sich nach einer Antibiotikagabe zu erholen. Dabei zeigte sich: Die ersten zwei Jahre nach der Therapie sind entscheidend, denn in diesem Zeitraum erholt sich die Darmflora am schnellsten. Danach verlangsamt sich der Erholungsprozess deutlich.
Besonders nach Clindamycin, Fluorchinolonen und Tetrazyklinen blieb die Diversität langfristig reduziert. Außerdem zeigte sich ein proportionaler Zusammenhang: Je stärker der anfängliche Diversitätsverlust, desto langsamer die Erholung.