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ACE-Hemmer und Covid
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Wichtige Studie womöglich mangelhaft

Nach »The Lancet« hat auch das »New England Journal of Medicine« in einem ungewöhnlichen Schritt berechtigte Zweifel an einer veröffentlichten Studie zu Covid-19 eingeräumt. Fielen beide Journals auf die unsauberen Machenschaften einer US-Firma herein?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 04.06.2020  17:00 Uhr

Surgisphere in der Kritik

Die britische Zeitung »The Guardian« äußert in einem langen Artikel starke Zweifel an der Seriosität von Surgisphere und dem Firmenchef Desai. Die Firma habe nur eine Handvoll Angestellte, darunter ein Science-Fiction-Autor und ein Nacktmodel. Die Mitarbeiter hätten wenig bis keine Erfahrung in der Auswertung wissenschaftlicher Daten. Und Desai selbst, ein Gefäßchirurg, sei in der Vergangenheit mehrfach aufgrund von Behandlungsfehlern belangt worden.

Vonseiten Surgispheres heißt es in einer Stellungnahme zu der Kritik, man begrüße eine konstruktive Diskussion der Studien innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und sei zuversichtlich, dass die unabhängige Überprüfung der Daten die Qualität der eigenen Arbeit bestätigen werde. Der einzigartige Beitrag, den Surgisphere zur medizinischen Forschung leiste, bestehe aus ihrer Datenbank, die mehr als 240 Millionen elektronische Patientenakten beinhalte, sowie der Auswertung derselben mithilfe der firmeneigenen KI-Sofware QuartzClinical.

Wie auch immer die Sache ausgehen wird: Der Fall ist symptomatisch für die höchst ungute Hektik im Wissenschaftsbetrieb rund um Covid-19. Die Tatsache, dass mit dem »Lancet« und dem »NEJM« nun zwei der renommiertesten medizinischen Fachjournale involviert sind, zeigt, dass die Befürchtung berechtigt ist, dass diese Hektik letztlich die Glaubwürdigkeit der Forschung in ihren Grundfesten beschädigen könnte. Hierüber und auch über den sich zuspitzenden Konflikt bestimmter Medien mit einzelnen Fachleuten, der ebenfalls vor diesem Hintergrund zu sehen ist, zeigt sich die Gesellschaft für Virologie in einer Stellungnahme sehr besorgt. Sie appelliert an alle Beteiligten, »wissenschaftliches Arbeiten transparent zu machen und zu erklären, aber nicht eine wissenschaftliche Debatte zu personalisieren oder gar zu skandalisieren«. Dies sollte auch im Zusammenhang mit der Firma Surgisphere berücksichtigt werden.

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