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Covid-19-Therapie

Wer profitiert von Steroiden, wer nimmt Schaden?

Zum Einsatz von Steroiden bei Covid-19 gibt es immer mehr Daten. Eine Studie aus den USA zeigt nun nochmals, dass nicht alle Patienten profitieren. Ein einfacher Bluttest genügt aber, um herauszufinden, wer ein Corticoid bekommen sollte und wer besser nicht.
Sven Siebenand
23.07.2020  12:00 Uhr

Im »Journal of Hospital Medicine« veröffentlichte jetzt ein Autorenteam um Professor Dr. Marla J. Keller von Albert Einstein College of Medicine in New York Daten einer Studie zum Einsatz von Glucocorticoiden bei hospitalisierten Covid-19-Patienten. Darin konnten die Ergebnisse einer größeren Studie aus Großbritannien, der RECOVERY-Studie, bestätigt werden. Diese hatte gezeigt, dass der Einsatz von Dexamethason die Mortalität bei künstlich beatmeten Patienten und bei Patienten, die Sauerstoff benötigten, aber nicht künstlich beatmet wurden, reduzieren konnte.

Die US-amerikanische Studie beantwortet nun weitere Fragen. Eine davon ist: Muss es unbedingt Dexamethason sein? Offenbar nein, denn in der US-Studie erhielten die meisten Patienten der Verumgruppe als Steroid den Wirkstoff Prednison und nur einige Dexamethason oder Methylprednisolon. Unterschiede zwischen den einzelnen Corticoiden machten die Wissenschaftler nicht aus. »Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass Menschen mit anderen Steroiden als Dexamethason die gleichen lebensrettenden Vorteile haben können«,  so Keller in einer Pressemeldung.

Eine weitere spannende Frage ist, wie Ärzte entscheiden sollten, wer ein Steroid erhält und wer nicht. Keller und Kollegen schlagen vor, den Wert des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) zu messen, den die Leber als Reaktion auf eine Entzündung produziert. Je höher der CRP-Spiegel im Blut ist, desto stärker ist die Entzündung.

»Wir fanden heraus, dass bei Patienten mit einem hohen Entzündungsgrad, einem CRP-Wert von mehr als 20 mg/dl, der Einsatz eines Steroids mit einer 75-prozentigen Verringerung des Sterberisikos sowie des Risikos für die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung verbunden waren«, informiert Keller.

Allerdings warnt die Medizinerin, dass bei Patienten mit einer normalen oder niedrigen Entzündungsrate, einem CRP-Werten unter 10 mg/dl, die Verwendung von Steroiden mit einem um fast 200 Prozent erhöhten Risiko für mechanische Beatmung oder Tod verbunden war. In der Zusammenfassung heißt das, dass die Steroidgabe Patienten mit hohen Entzündungswerten vorbehalten sein sollte.

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