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Testkauf bei Hitze
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Wenn Zäpfchen zu Joghurt werden

Die Versandlobby intervenierte in Brüssel mit Erfolg gegen umfassendere Temperaturkontrollen. Apotheker Peter Vorstheim aus Hessen wollte es wissen und tätigte in der ersten Hitzewelle einen Testkauf bei der Shop Apotheke. Was herauskam, hatte mit Arzneimitteln nichts mehr zu tun.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 07.08.2026  10:00 Uhr

Alles fing damit an, dass die EU-Kommission die Pläne der Bundesregierung, die Versender samt Logistikern bei Temperaturkontrollen stärker in die Pflicht zu nehmen, abkanzelte, woraufhin die Pläne entschärft wurden. Apotheker Peter Vorstheim konnte nicht fassen, dass man in Brüssel offenbar davon ausgeht, dass bei Anbietern wie der Shop Apotheke ja ein Apotheker den Versand, die Wetterbedingungen und die Produktstabilität im Blick habe und jedes Paket quasi »handverlesen« verschickt werde. »Das ist ja unrealistisch«, so Vorstheim zur PZ.

Und so wollte er es Anfang Juni bei der ersten Hitzewelle wissen: Vorstheim, der die Flora-Apotheke im hessischen Idstein betreibt und zuvor nie bei einer Onlineapotheke eingekauft hatte, bestellte Ratiopharm-Kinderzäpfchen bei der Shop Apotheke – »auch aus Konkurrenzbeobachtung«, wie er erklärte. An einem Mittwochnachmittag gab er die Bestellung online auf, am Samstag darauf kam das Päckchen am frühen Nachmittag an.

Und zwar in einer Packstation ganz in seiner Nähe. Vorstheim hatte diesen Zustellweg aus Bequemlichkeit grundsätzlich für die Lieferung bei DHL angegeben. Dass der Versender seinerseits bei der Bestellung darauf hingewiesen hatte, die Lieferung der Zäpfchen an eine Packstation sei ausgeschlossen, spielte wegen Vorstheims Kundenwunsch offenbar keine Rolle. Das Päckchen gelangte also in die Packstation, wo es mehr als 24 Stunden lag, denn der Apotheker kam erst am Sonntagnachmittag dazu, es abzuholen. Was er vorfand, hatte mit Kinderzäpfchen nichts mehr zu tun. »Joghurtartig« seien die Zäpfchen gewesen, einige komplett geschmolzen und flüssig. Wie die Substanz aus dem Blister tropft, zeigt Vorstheim in einem Post auf Instagram. Die Szene sei nicht gestellt und nicht extra einstudiert worden, so Vorstheim zur PZ. Seine Frau habe ihn spontan beim Öffnen des Packfachs und der Verpackung gefilmt. Dass in dem großen, nicht isolierten Paket neben der Zäpfchenpackung ein »niedliches Kühlpack« lag und die Packung zudem in eine Thermofolie eingeschlagen war, wirkte in Vorstheims Augen wie das Vorgaukeln falscher Tatsachen. Denn natürlich war das Kühlpack ebenso aufgelöst wie die Zäpfchen, und auch Thermofolie konnte bei mehr als 40 Grad beim Transport und in der Packstation nichts ausrichten. »Es war wirklich skandalös«, erklärt Vorstheim.

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